Verfasst von Susi Maier am 13.04.2015

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Natururlaub Dingle Kerry Irland

Die Dingle Halbinsel im Westen Irlands: das Ende von Europa, uralte Steine und ein Delfin

Wenn ihr nach Irland reist, solltet ihr unbedingt die Grafschaft Kerry im Südwesten ansteuern, die berühmt ist für ihre raue landschaftliche Schönheit aus Halbinseln, Buchten und Bergen, uralten Forts, Steinkreisen und Ruinen aus längst vergangenen Zeiten. Während die meisten Touristen den Ring of Kerry befahren, die berühmte Panoramastraße zwischen Killarney und Kenmare, gibt es jedoch nördlich davon eine kleinere Halbinsel, die weitaus weniger überlaufen, aber genauso schön ist. National Geographic bezeichnete sie sogar als „den schönsten Ort auf der Welt“: die Dingle Halbinsel.

Schon zu ur- und frühgeschichtlichen Zeiten war die Halbinsel besiedelt, benannt ist sie nach der größten Ortschaft Dingle im Südwesten. Sie beheimatet den westlichsten Punkt Europas und den höchsten Pass Irlands. Ihr berühmtester Einwohner ist ein Delfin.

Dingle: wo Kerry am schönsten ist

Am besten erkundet ihr die rund 50 Kilometer lange und 9 Kilometer breite Halbinsel mit einem Mietwagen. Im Rahmen eines Tagesausflugs könnt ihr sie einmal umrunden, es gibt aber auch genug zu sehen und zu tun, um gleich ein paar Tage hier zu verbringen. Mietwagen gibt es schon ab 200 Euro die Woche, z.B. vom nur 50 Kilometer von Dingle entfernten Kerry Airport. Da es auf der Halbinsel nicht viel Verkehr gibt, ist auch das Fahren im Linksverkehr erstaunlich einfach. Die schönste Strecke nach Dingle ist die kleine Straße, die euch von Castlemaine an der Südküste der Halbinsel entlang zur Ortschaft Dingle führt – vorbei an dem weißen Sandstrand von Inch, der auf einer Landzunge weit ins Meer hineinragt und nicht nur bei Surfern beliebt ist, sondern auch zum Entlangspazieren einlädt.

In dem hübschen Städtchen Dingle mit seinen Gassen und bunten Häuserfassaden, kleinen Geschäften mit lokalen Produkten und Kunsthandwerk, Restaurants mit frischem Seafood, den Pubs mit Live-Musik und dem Fischerhafen könnt ihr gut ein paar Tage verbringen. Dingle liegt in einer weiten, geschützten Bucht, in der ihr mit etwas Glück auch den berühmtesten Bewohner zu Gesicht bekommt: Fungie den Delfin, der hier seit 1984 lebt und mittlerweile zu einer Attraktion geworden ist.

Vom malerischen Dingle bis zum eisenzeitlichen Fort über den Klippen

Nachdem ihr euch bei einem kurzen Bummel durch Dingle gestärkt habt, etwa mit einem leichten Lunch aus frischen Muscheln oder gegrilltem Ziegenkäse für 10 bis 15 Euro bei „Ashe’s“ oder einem leckeren Eis aus der Milch von Kerry-Kühen bei „Murphy’s Ice Cream“ für ca. 5 Euro, geht die Erkundungstour auch schon weiter. Westlich von Dingle beginnt nämlich der landschaftlich spektakulärste Abschnitt der Küstenstraße: der Slea Head Drive.

Doch zunächst führt die Küstenstraße vorbei am Städtchen Ventry mit seinem weiten Sandstrand und einigen geheimnisvollen Zeugnissen längst vergangener Zeiten: Auf einer Landzunge oberhalb steiler Klippen liegen die Überreste des eisenzeitlichen Dunbeg Forts mit seinen Wällen und Tunneln, das noch bis ins Mittelalter hinein genutzt wurde. Wer erst jetzt Hunger verspürt, stärkt sich hier im „Stonehouse Café & Restaurant“, das auf traditionelle Weise komplett aus aufgeschichteten Steinen gebaut ist, für unter 10 Euro mit Leckereien wie dem Baileys Cheesecake oder einem frischen Sandwich mit Räucherlachs. Ein kleines Stück weiter gibt es die Reste früherer Siedlungen zu besichtigen, mit Hütten, die ebenfalls komplett aus Stein in der charakteristischen Bienenkorbform erbaut wurden.

Am westlichsten Punkt Europas

Danach gibt die kurvenreiche Küstenstraße bei Slea Head immer wieder spektakuläre Ausblicke auf den Atlantik und die zerklüftete Küstenlinie mit ihrem satten Grün, ihren Steilklippen, Buchten, kleinen Stränden und vorgelagerten Inseln frei. Nördlich von Slea Head passiert ihr eine Bucht mit einem kleinen geschützten Sandstrand, bevor die Halbinsel Dunmore Head ins Meer hineinragt – der westlichste Punkt Europas.

Hier solltet ihr unbedingt anhalten und das kleine Kap bei einem kurzen Spaziergang von ca. 1 Stunde erkunden. Von dem Parkplatz beim Strand führt ein Weg den Hügel hinauf, über eine Mauer und von dort noch weiter in Richtung Ende der Landzunge. Die Ausblicke von hier auf die wunderschöne raue Küste, den Atlantik und die vorgelagerten Inseln sind fantastisch! Und mit etwas Glück habt ihr die spektakuläre Landschaft am Ende Europas ganz für euch allein. Am Scheitelpunkt des Hügels thront ein zwei Meter hoher, megalithischer „Hinkelstein“ (Standing Stone) mit einer alten Inschrift, die auf eine vor Urzeiten hier begrabene Person hindeutet. Noch heute liegen hier oft Opfergaben.

Als Nächstes passiert ihr das landschaftlich wunderschön gelegene Dunquin, den westlichsten Ort Irlands. Von dort setzen die Fähren auf die Blasket Islands über, die in der Ferne gut zu sehen sind. Von den steilen Klippen windet sich ein enges Sträßchen aus Haarnadelkurven hinunter zum alten Fähranleger – ein beliebtes Postkartenmotiv.

Die Panoramastraße führt weiter entlang der Westküste und von dort in den Norden der Dingle Halbinsel, vorbei am Dörfchen Ballyferriter mit seinem malerisch von Felsen eingerahmten, weißen Sandstrand und der frühchristlichen Kapelle Gallarus Oratory sowie den Ruinen der Mönchssiedlung Reask, bevor es durchs Inselinnere wieder zurück nach Dingle geht. Wenn es noch nicht allzu spät am Nachmittag ist, solltet ihr unterwegs noch einen „Cliff Walk“ an der Küste einbauen (d.h. eine kleine Wanderung zu Fuß auf einem der zahlreichen Wege, die hier an den Klippen entlangführen und ausgeschildert sind), z.B. am Clogher Head. Alternativ könnt ihr noch etwas weiter bis Cloghane fahren, um den Rückweg nach Dingle über den Conor Pass zu nehmen. Die abenteuerliche Straße über den höchsten Pass Irlands führt durch eine Landschaft aus rauen Highlands und bietet spektakuläre Ausblicke bis zur Küste, im Norden über ein Gebirgstal mit kleinen Gletscherseen und im Süden bei gutem Wetter bis nach Dingle und hinüber zum Ring of Kerry.

Einen tollen Blick über die Küste bis zur benachbarten Halbinsel, die Bucht von Dingle und die satten grünen Weiden habt ihr auch vom charmanten Pax Guesthouse, das sich etwa 1 Kilometer außerhalb von Dingle mitten im Grünen auf einer Anhöhe befindet. Dort angekommen, könnt ihr den Tag dann im Pub in Dingle ausklingen lassen, z.B. bei einem Abendessen für 10 bis 20 Euro im Dingle Pub – gefolgt von einem Guinness und Live-Musik.

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