Verfasst von Nicole Aupperle am 15.06.2015

Die Blumenriviera in Ligurien: Zwischen Jetset-Paradies und italienischer Dorfidylle

Der Duft von wildem Oleander fliegt im Fahrtwind an mir vorbei. Im Hafen glänzen die Luxusboote unter den Sonnenstrahlen der Blumenriviera und die Luft riecht nach Sonne, Meer und Urlaub. Ich habe mir beim Fahrradverleih Nole Bici am alten Bahnhof von San Remo ein modernes Citybike ausgeliehen und fahre entlang der Ligurischen Riviera der Sonne entgegen. Von San Remo führt eine stillgelegte Eisenbahntrasse direkt an der Küste der Blumenriviera entlang. Nur die nostalgischen Tunnel erinnern noch an die Zeit, in der die ersten Touristen mit den Zügen an die Riviera reisten, um sich im milden Klima von Ligurien zu erholen. Während ich in die Pedale trete, habe ich die malerischen Dörfchen der Riviera dei Fiori immer im Blick. Sie schmiegen sich mit ihren zitronen- und orangefarbenen Häusern an die Ausläufer der Seealpen. Immer wieder begegnen mir Radrennfahrer. Die Strecke ist eine Etappe des Radrennens Mailand-San Remo, wird aber nicht nur von Radsportlern genutzt, sondern auch von Familien oder Genussradlern wie mir.

Mit dem Fahrrad entlang der Blumenriviera

Weil ich im Urlaub lieber genieße als mich sportlich zu verausgaben, kommt nach einer Stunde gemütlicher Fahrt der Beachclub „Il Sandolino“ in Stefano al Mare genau richtig. Die Pasta à la casa schmeckt nach dem Duft von sonnengereiften Tomaten und frischen Artischocken, vermengt mit dem Geschmack des Olivenöls, für das Ligurien bekannt ist. Preislich unterscheiden sich die Restaurants an der Riviera nicht viel vom Italiener um die Ecke bei uns, rund 15 Euro kostet ein Pastagericht. Unverzichtbar ist der Caffe – ein Espresso nach dem Essen, der nirgendwo so gut schmeckt wie in Italien. Wäre Hochsaison, hätte ich mir einen Liegestuhl geschnappt, in der Sonne am Sandstrand gedöst und aufs Meer geschaut. Stattdessen weht eine steife Meeresbrise über den Küstenabschnitt und ich fahre zurück nach San Remo (ca. 24 km).

San Remo – zwischen Jetset und Altstadtgassen

Am Nachmittag schlendere ich durch San Remo. Einst glänzte die Stadt an der Blumenriviera als Jetset-Paradies, an dem die Noblesse urlaubte. Alles, was Rang und Namen hatte, kam nach San Remo: Kaiserin Elisabeth von Österreich liebte das milde Klima genauso wie Monet, Nietzsche oder Alfred Nobel, der sich hier eine Villa erbauen ließ. Es war die Zeit, in der sich der Adel unter Pseudonymen in den Grand Hotels einmietete. In den 1960er Jahren lockte es die Stars und Sternchen an die Riviera. San Remo stand für das Dolce Vita unter der italienischen Sonne. Das Leben war leicht und luxuriös. Man vergnügte sich unter Palmen oder auf Wasserskiern und abends verzockte man sein Geld im Casino, das 1905 an der Uferpromenade erbaut wurde und noch immer von dem Glanz dieser Zeiten erzählt.

Ich schlendere vorbei an den prachtvollen Villen der Belle Époque mit den gepflegten Gärten, vorbei am Casino und den Edelboutiquen und mitten hinein in die Altstadt La Pigna. Plötzlich werden die Gässchen immer enger, die Treppen immer steiler. Über den schmalen Gassen baumelt Wäsche zum Trocknen, die geschlossenen Fensterläden wirken, als haben sie ihre glanzvollen Zeiten längst hinter sich. Ich suche die Kathedrale von San Remo und verliere mich im Gewirr der Gassen und Treppen. Schließlich frage ich einen alten Mann nach dem Weg „Dovè è il Duomo?“–„Questa strada a destra“, sagt er. Die kleinen Häuschen von San Remo schmiegen sich wie Terrassen an den Berg, ich weiß nicht, wie viele Treppenstufen es waren, bis ich endlich die Kathedrale auf dem Hügel erreicht habe und von dort oben die Aussicht über die Altstadt und den Hafen von San Remo genießen kann. Auf der Suche nach italienischen Klischees werde ich hier an jeder Ecke fündig. La Pigna, die Altstadt, wirkt mit ihren überdachten Gassen wie eine andere Welt, als stiege ich mit jeder Stufe hinauf in ein ursprüngliches Bild von Ligurien.

Geheimtipp: ein Ausflug ins Künstlerdorf Bussana Vecchia

Am Spätnachmittag fahre ich ins acht Kilometer entfernte Künstlerdorf Bussana Vecchia. Riccardo vom Fahrradverleih hat mir von dem Dorf erzählt – ein echter Geheimtipp, hat er versprochen. Und alle Fans von romantischen Bergdorfkulissen werden das bestätigen. In Bussana Vecchia schlendere ich durch die steinigen Gassen und verliere mich in Träumereien. Es scheint, als habe ich hier das Dorf gefunden, das mir als Luftschloss vorschwebte, als ich in Kinderzeiten selbst gerne Künstlerin werden wollte. Wenn Träume wahr werden, dann säße ich eines Tages hier inmitten all der Galerien von Malern, Steinhauern und Kunsthandwerkern. Ich würde meine Werke an die Touristen verkaufen, die durch das verschlafene Dorf lustwandeln. Wenn ihr ganz leise durch die Gassen geht, dann hört ihr sie vielleicht wispern: die alten Steine an den Hauswänden, wenn sie die Geschichte erzählen, als Bussana Vecchia noch ein Geisterdorf war. Eines jedenfalls ist Realität: Hier an der ligurischen Küste zwischen San Remo und Genua finde ich all die Bilder und all die Klischees, die meine Vorstellung von Italien geprägt haben.

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