Verfasst von Alex Mirschel am 5.11.2014

Die beeindruckende Vielfalt der Götterinsel

Viele Gedanken schießen mir beim Landeanflug auf Bali durch den Kopf, doch meine Augen starren gebannt auf die Silhouette der massiven Berge und Vulkane unter uns. Spätestens seit der Kinoverfilmung von „Eat Pray Love“ hat die indonesische Insel der Götter auch bei uns große Neugierde geweckt. Doch kann das Bild der tropischen Trauminsel mit beeindruckender Kultur, üppigen Landschaften und unvergleichbar spirituellen Begegnungen auch der Realität standhalten?

Die ersten Eindrücke lassen Zweifel aufkommen, als wir am Flughafen Denpasar auf eine Wand aus Reizüberflutungen prallen. Die Müdigkeit verstärkt noch die Intensität des feucht-heißen Klimas, die Rufe unzähliger Menschen vermischen sich mit dem Hupen der vielen Mopeds zu einem hektischen Gewirr. Der Kulturschock ist wie weggeblasen, als wir nur eine Stunde später bereits am Strand flanieren und bei einem kühlen Drink den Sonnenuntergang genießen.

Der Hinduismus prägt den Alltag auf Bali

Doch die hübschen Beachresorts der Luxus-Enklave Nusa Dua sind keineswegs der einzige Grund für einen Urlaub auf Bali. Setze ich nur wenige Schritte vor die Tore der Touristenanlagen, lande ich mitten im Alltag der Balinesen. Jede Familie versucht ihrem Glauben mit einem eigenen Tempel Ausdruck zu verleihen und selbst Ladenbesitzer drapieren vor ihren Geschäften liebevoll dekorierte Opfergaben, um den überirdischen Kräften zu huldigen und böse Dämonen milde zu stimmen.

Die hinduistisch geprägte Religion auf Bali hat eine eigene Dynamik entwickelt und den Beinamen „Insel der 1.000 Tempel“ eingebracht, was jedoch einer starken Untertreibung gleichkommt. Die größten Tempelanlagen sind nicht nur Orte der spirituellen Zusammenkunft, sondern auch eine faszinierende Attraktion für Touristen. Die Eintrittspreise liegen in der Regel als „Spende“ im Bereich von ein bis zwei Euro pro Person, hierfür erhalten Besucher leihweise einen Sarong-Rock zum Umwickeln. Eine besondere Magie verkörpern trotz vieler Besucher vor allem der Felsentempel Pura Tanah Lot, Pura Ulun Danu im Bratan-See sowie Pura Luhur Uluwatu auf den schroffen Klippen der Südwestküste.

Tagesausflüge mit Guide zu den Sehenswürdigkeiten der Insel

Auf der steinernen Anhöhe von Uluwatu – rund 100 Meter oberhalb der Brandung – sorgen übrigens auch unvergessliche Sonnenuntergänge allabendlich für Gänsehautatmosphäre. Ohnehin empfehle ich, die verschiedenen Höhepunkte Balis mit einem erfahrenen Guide im Rahmen von Tagesausflügen zu erkunden. Die Guides bieten ihre Dienste mit dem eigenem PKW überall auf der Insel an und erarbeiten individuelle Touren ganz nach den persönlichen Interessen (40-50 EUR für 8 Stunden inklusive Fahrer, Benzin, Parkgebühren).

Zum Pflichtprogramm auf Bali zählt natürlich auch ein Besuch des ehemaligen Künstlerdorfes Ubud, das mit den benachbarten Reisterrassen auch im Film mit Julia Roberts eine prägende Rolle einnimmt. Am Abend, wenn die vielen Vans und Busse der Tagesgäste verschwunden sind, legt sich ein Mantel von Romantik und Ruhe über das Örtchen, in dem der heilige Monkey Forest (Eintritt etwa 2 EUR) beheimatet ist. Ein unterhaltsames Erlebnis, Wertsachen sind jedoch unbedingt am Körper zu tragen, denn die rotzfrechen Makaken-Affen haben uns mit ihrer oft diebischen Veranlagung überrascht.

Ubud bei Nacht und Bali für Entdecker

Fackeln und Kerzen zieren nach Sonnenuntergang die schmalen Gassen, nur aus einiger Entfernung dringen schrille Stimmen durch den Nachthimmel. Wir nähern uns dem Tempel Pura Dalem, der an vielen Abenden als Kulisse des spektakulären Tanzdramas „Kecak“ (Eintritt etwa 6 EUR) dient. Über 80 männliche Tänzer sitzen im Kreis um ein Feuer herum und schwingen beschwörend ihre Arme, während sie wie in Trance die immer gleichen Ausrufe von sich geben. Eine sehr eindrucksvolle Aufführung, die man nicht verpassen sollte!

Wer sich nach Abwechslung zum Kulturprogramm sehnt, hat die Qual der Wahl. Im „wilden Westen“ der Insel, dem am wenigsten besiedelten Gebiet Balis, dominiert die steil herabfallende Berglandschaft und bietet einen felsigen Abenteuerspielplatz für echte Entdecker. Im Norden ist um den Ort Lovina eine ansprechende Uferpromenade entstanden, die mit ihrem schwarzen Vulkansand vor allem bei Erholungssuchenden als Rückzugsort großen Anklang findet.

Kontrastprogramm von Surfspots bis zum Nachtleben in Kuta

Im Süden wartet hingegen die belebteste Region von Bali mit beeindruckenden Surfspots, dem kultigen Nachtleben der niemals schlafenden Hochburg Kuta oder den Fischrestaurants am Strand von Jimbaran. Ohne Probleme hätten die Regisseure von „Eat Pray Love“ die drei Leitmotive Essen, Beten und Lieben auch komplett auf der indonesischen Insel drehen können, denn die Vielfalt Balis hat für wirklich jeden Geschmack etwas zu bieten.

Übrigens: Auch wenn die Nebenkosten in den letzten Jahren etwas angezogen haben, so ist Bali immer noch für uns Europäer mehr als erschwinglich. Nicht nur Ausflüge und Eintrittsgelder sind vergleichsweise gering, auch Restaurants bieten ein tolles Preis-Leistungs-Verhältnis. Bali ist ganzjährig bereisbar, doch die beste Reisezeit liegt im Zeitraum von Mai bis Oktober. Es wartet ein spannendes Urlaubsziel, das nicht nur im Kinosessel eine ganz besondere Faszination ausstrahlt und für Verliebte ebenso geeignet ist wie für Alleinreisende oder Familien mit Kindern!

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