Verfasst von Jannis Riebschlaeger am 24.11.2014

Der verrückteste Markt Londons

Was für ein perfekter Morgen! Obwohl es noch recht kühl ist, wecken die Blumen und Liegestühle auf den zahlreichen Hausbooten hier am Regent’s Canal erste Frühlingsgefühle. Es duftet nach Toast und Bacon. Heute geht’s auf den „Camden Market“.

Schon nah dran

Gestern war ich auf den Borough Markets, deren Markthallen sich unter eine alte Eisenbahnbrücke ducken und auf denen Nahrungsmittel verkauft werden, von deren bloßer Existenz ich zuvor nichts geahnt habe. Zwischen exotischen Meerestieren, im Gespräch mit einem wuseligen Markthändler, der gerade Tintenfischarme für den Verkauf abpackt, rutscht mir raus, dies sei ja wohl der verrückteste Markt Londons. Der Verkäufer lacht und antwortet: „Seems like you haven’t been to the Stabes of Camden yet.“
Meine Neugier ist geweckt.

Der gemütlichste Bus Londons

Als mein Weg in Höhe einer hölzernen Schleuse abbiegt, realisiere ich: Ich bin angekommen. Keine Menschenseele in Sicht. Es ist 9:45 Uhr. Der Markt öffnet erst um zehn. Die verbleibenden Minuten nutze ich, um mich beim Waterbus-Abfahrtsplatz, der neben einer märchenhaften Bogenbrücke unter einer Trauerweide liegt, nach Zeiten und Preisen zu erkundigen.

Ich entscheide mich, die letzte Fahrt um 17 Uhr zurück nach Little Venice zu nehmen. Mit acht Pfund ist sie nicht ganz billig, aber den verträumten Kanal einmal vom uralten Waterbus aus zu erleben, ist diesen Preis definitiv wert.

Zwischen Räucherstäbchen und Ghettoblastern

Als ich zum Markt zurückkehre, ist er nicht wiederzuerkennen. Die engen Gassen zwischen den Marktständen sind gefüllt mit Menschen und sprudeln nur so vor Leben. Von überall tönt Musik. Hip Hop und Techno Beats mischen sich in traditionelle, asiatische Klänge. Auch die Stände präsentieren in großen Auslagen die verrücktesten Dinge. Von glänzenden Buddha-Figuren bis zu Handtaschen in der Form eines Ghettoblasters ist alles dabei.

Draußen wird in kleinen Holzbuden verkauft, in den alten Lagerhallen auf Tischen, die Straße entlang in bunt bemalten Ladenlokalen und etwas abseits in ehemaligen Ställen des „Horse Hospital“. Letztere haben es mir besonders angetan. Erst vor ein paar Jahren wurden sie zu Verkaufsräumen umfunktioniert. Jetzt wird hier ein Sammelsurium der verrücktesten Dinge verkauft. Stundenlang laufe ich im Kreis und bin einfach nur überwältigt von der Fülle an Eindrücken. Die verwinkelten Gassen mit den chaotischen Verkaufsständen, in denen es nach Räucherstäbchen und fremden Gewürzen duftet, geben mir mehr und mehr das Gefühl, auf einem asiatischen Straßenmarkt gelandet zu sein. Und tatsächlich scheint hier jeder Fünfte Asiate zu sein. Das spiegelt sich auch im Essensangebot wider. Pekingente, Hähnchen mit süß-saurer Soße, Wokgemüse und Nudeln werden mir, gespießt und gewickelt auf Zahnstocher, zum Probieren hingehalten. Der herzhafte Duft lässt meinen Magen knurren. Mir ist aber mehr nach etwas typisch Englischem. An einer Straßenecke ergattere ich für drei Pfund eine große, dampfende Tüte Fish and Chips. Genau das Richtige!

In dem bunten Treiben vergeht die Zeit wie im Flug. Kaum habe ich aufgegessen, sind die Straßen wie leergefegt. Der bunte Trubel ist so plötzlich vorbei, wie er begonnen hat. Innerhalb von Minuten machen die Läden dicht und die Stände werden abgebaut. Verdutzt blicke ich auf die Uhr. Es ist schon sieben!

Schnell besorge ich noch ein paar Souvenirs bei einem der letzten Stände, der noch offen hat. Ich lasse mich vom Preis der bunten Kühlschrankmagneten nicht abschrecken. Den Preis auf die Hälfte runterzuhandeln, ist hier gängig.

Auf dem Weg zurück zum Hotel gehen mir die Eindrücke des Tages durch den Kopf. Die Bootsfahrt habe ich in dem bunten Trubel ganz vergessen. Ich werde sie auf jeden Fall morgen nachholen. Vielleicht mache ich dann noch einen kleinen Abstecher zum Camden Market, dem verrücktesten Markt Londons.

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