Verfasst von Nicole Biarnés am 2.08.2015

In den Bergen – Tremosine am Gardasee

Der Gardasee ist umgeben von hohen Bergen. Hier oben im Nordosten des Sees liegt Tremosine, ein Zusammenschluss aus mehreren kleinen Dörfern.

Schauderterrasse Pieve di Tremosine

Im Hotel Paradiso in Pieve di Tremosine gibt es eine Aussichtsterrasse, die Schauderterrasse.

Warum sie so heißt, verstehe ich aber erst, als ich oben stehe: Die Terrasse des Restaurants hängt mehrere Meter schwebend über einem tiefen Abgrund! Ich habe mal gelesen, dass es so etwas im Gran Canyon gibt, aber am Gardasee? Vorsichtshalber bewege ich mich langsam und behutsam. Die Aussicht von hier oben ist spektakulär! Dann wage ich einen Blick nach unten. Es geht mehrere Hundert Meter in die Tiefe. Die Straße am Ufer des Sees kann ich noch ganz klein erkennen. Ich versuche, dieses Panorama irgendwie zu fotografieren. Das ist gar nicht so einfach. Dann suche ich mir einen Tisch auf dem Teil der Terrasse, der nicht über dem Abgrund hängt, um diese architektonische Meisterleistung in Ruhe und mit sicherem Abstand zu bestaunen.

Diese Schauderterrasse gehört zwar zu einem Hotel, aber ihr müsst keinen Eintritt zahlen und nicht einmal etwas konsumieren. Der Schauder ist praktisch gratis.

Kleine Wanderung

Von der Hotelterrasse in Pieve di Tremosine führt ein alter Weg hinunter ins Tal nach Campione, am Ufer des Gardasees. Bis vor rund hundert Jahren legten die Bewohner der Dörfer hier oben diesen Weg noch jeden Tag zu Fuß zurück. Breite Straßen für Autos gab es damals noch nicht. Hier oben lebten die Anwohner in einer anderen Welt, abgeschieden und weit entfernt von Städten wie Mailand oder Rom.

Der Weg ist wunderschön. Er führt zuerst ganz sacht über grüne Wiesen hinunter. Dann wird er etwas felsiger und ich kann schon den Gardasee weiter unten erkennen. Überhaupt ist die Aussicht auf diesem Wanderweg unglaublich.

In weniger als einer Stunde sind wir unten angelangt. Obwohl es nur bergab geht, bin ich doch ein bisschen aus der Puste. Wenn ich mir vorstelle, dass die Leute diese Strecke früher jeden Tag zurückgelegt haben, um morgens zur Arbeit hin- und abends wieder zurückzugehen, bin ich froh, dass ich da jetzt nicht wieder hochlaufen muss.

Campione am Gardasee

Dann stehen wir auf der kleinen Piazza von Campione. Vor den beeindruckenden Bergen liegt das kleine Dörfchen ganz friedlich am See. Steil ragen die Felswände in die Höhe. Da wird mir beim Hochsehen schon fast schwindelig.
Bei einem kleinen Spaziergang entdecke ich am Rande des Dorfes eine alte Arbeitersiedlung. In Campione stand früher mal eine Baumwollweberei. Die ist zwar längst geschlossen, aber ein paar verwitterte Gebäude und eine Kirche stehen noch. Es ist traumhaft still und entspannt hier.

Nach einer kleinen Kurve führt der Weg direkt zum Ufer. Was für ein Ausblick! Ganz ruhig liegt er da, der Gardasee! Er sieht so groß aus, fast wie ein kleines Meer. In der Ferne drehen Segelboote ihre Runden, während ein paar Urlauber am Strand die Sonne genießen. Ein junger Surfer schleift gerade gemütlich an seinem Board herum und wartet wohl auf den passenden Wind.

Käserei Alpe del Garda

Am nächsten Tag wollen wir eine Käserei besichtigen. Oben in den Bergen gibt es nämlich eine Genossenschaftsmolkerei. Mit dem Auto ist sie gut zu erreichen, denn sie liegt direkt an der Via Provinciale bei Tremosine. Doch bevor die Tour losgeht, entdecke ich vor dem kleinen Laden, der zu der Molkerei gehört, einen Joghurtautomaten und zapfe mir für rund 50 Cent natürlich sofort ein Glas frischen Joghurt – himmlisch! Frische Milch gibt es auch. Aber dann geht die Führung durch die Käserei los. In blaue Plastikfolienschuhe und -mützen gehüllt, begeben wir uns in die Produktionshallen. Hier werden also all die Käse- und Milchprodukte hergestellt, die ich in dem kleinen Laden kaufen kann. Am spannendsten ist jedoch der Keller. Wie in einem Hochsicherheitstrakt lagern hier Unmengen an Käselaiben in den Regalen. Es sieht faszinierend aus und riecht lecker – wenn man Käse mag.

Nach der Tour, die übrigens kostenlos ist, gönnen wir uns ein Mittagessen in der zur Molkerei gehörenden Gaststätte Alpe del Garda. Es gibt regionale Spezialitäten mit viel Käse in den verschiedensten Varianten. Etwas Grünes, das ein wenig an Kohlrouladen erinnert, schmeckt besonders lecker. Die in Mangoldblätter gewickelte Käsepaste nennt sich Capú und ist eine regionale Spezialität. Als Hauptgericht probiere ich Polenta und gegrillten Käse für 10,50 Euro. Ein Paradies für Vegetarier! Aber natürlich gibt es auf Wunsch auch Fleischgerichte. Nach den Käseschlemmereien bin ich schon ziemlich satt, aber das hausgemachte Eis zum Nachtisch muss ich noch probieren. Die Gerichte kosten alle so zwischen 6 und 12 Euro, die drei Kugeln Eis gibt es für 3,50 Euro.

Nordic Walking

Am letzten Tag geht es ganz nach oben in die Berge. Wir fahren zu einer Alphütte in Vesio di Tremosine. Dort versuche ich mich im Nordic Walking. Die Gegend ist wunderschön und sehr ruhig. Ein Freund kennt sich damit aus und hat auch gleich die notwendige Ausrüstung mitgebracht. Er erklärt mir kurz, was ich machen muss. Schnell stellt sich heraus, dass das gar nicht so einfach ist. Statt elegant in zügigem Tempo durch die Landschaft zu gleiten, mache ich mir fast einen Knoten mit Stöcken, Armen und Beinen. Nach einigen Metern habe ich den Dreh aber auch raus und spaziere grinsend durch die grüne Berglandschaft: Schritt, Schritt, Stöcke nach hinten, loslassen. Schritt, Schritt, Stöcke nach hinten, loslassen …

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