Verfasst von Anne Steinbach am 13.04.2015

De Madrid al Cielo – Ein Wochenende in Madrid

Die Straßen sind an diesem Samstagmorgen gefüllt. Ich schlängele mich durch die engen Gassen im Zentrum, vorbei an den einkaufswütigen Einheimischen, erhasche den Duft von frischem Kaffee an der einen Ecke und den verführerischen Anblick von Schinken, Oliven und Käse an der anderen. Ich befinde mich mitten in Madrid und nehme die Stadt mal genauer unter die Lupe.

Churros zum Frühstück

Ich lasse die Madrilenen und Touristen beim Samstagsshoppen hinter mir, laufe kurz vor dem Plaza Mayor um die Ecke und befinde mich in einer kleinen Gasse: der Straße Pasadizo San Ginés. Schon beim Betreten werde ich vom Geruch frischer, heißer Schokolade und dem süßlichen Aroma der Churros in ein unglaubliches Geschmackserlebnis versetzt. Churros sind frittierte Fettgebäcke und können mit einer dünnen, langen Variante eines Donuts verglichen werden. Diese Köstlichkeiten werden in Madrid dann in dicke, dunkle, heiße Schokolade getunkt und versetzen jeden Touristen in den kulinarischen Himmel.

José, der mich mit einem breiten Grinsen an der Bar begrüßt, weiß ganz genau, was ich will: „Cinco churros con chocolate?“ Ich suche mir einen gemütlichen Platz in der Chocolateria San Ginés, die mir mit den unzähligen Spiegeln an den Wänden, den Marmortischen und den grünen Sitzen sofort ein Gefühl der Geborgenheit vermittelt. Die Churros werden hier schon seit dem Jahr 1894, jeden Tag, 24 Stunden, verkauft.

Kurze Zeit später sitze auch ich vor meinen Churros mit heißer Schokolade, dippe eine dieser Delikatessen ein und verstehe sofort, warum dies die absolute Leidenschaft der Madrilenen ist. Für noch nicht einmal 5 Euro bekomme ich hier einen unbezahlbaren Geschmack.

Ich winke José beim Verlassen zu und schließe mich den Besuchern in der Innenstadt an und laufe mit vollgeschlagenem Bauch zum Plaza Mayor.

Dort, wo die Geschichte von Madrid beginnt

Der Plaza Mayor ist nicht nur der Platz, an dem Sehen und Gesehenwerden großgeschrieben werden, sondern auch der Platz, an dem vor Jahren das Königshaus am stärksten gespürt wurde. Für mich beginnt hier mein kleiner Spaziergang durch das verwunschene Madrid, das genau weiß, wie es seine Besucher in den Bann zieht. Ich laufe entlang der vielen Terrassen, auf denen Touristen und Einheimische die ersten Sonnenstrahlen genießen und Kaffee trinken.

Madrids kulinarische Highlights: Mercado de San Miguel

Beim Verlassen des Plaza Mayor falle ich förmlich in den Mercado de San Miguel. Hier vereint sich Geschichte mit Moderne mitten im historischen Viertel von Madrid. Ich werde von Reizen der vielen Essensstände und Gerüche überflutet und fühle mich, als wäre ich in einer anderen Welt. Kleine Stände sind nacheinander aufgereiht, Einheimische und Touristen probieren sich durch die lokalen Spezialitäten und die Luft versprüht einen Mix aus Käse und Schinken.

Zu den Churros im Magen gesellt sich eine kleine Portion Tapas, die ich mir für nur 5 Euro an einem kleinen Stand mitten im Markt kaufe. Gegessen wird im Gehen – selbst dann, wenn noch Platz am Stand ist. Trotzdem gehört es irgendwie zum Flair dazu. Zu meiner Käse-Schinken-Platte bekomme ich noch ein Glas Rotwein, das ist im Preis inbegriffen, und bin der wohl glücklichste Besucher dieses Markts.

Der Mercado de San Miguel hat Montag, Dienstag, Mittwoch und Sonntag von 10 bis 24 Uhr geöffnet und am Donnerstag, Freitag und Samstag von 10 bis 2 Uhr morgens. Er befindet sich direkt auf dem Plaza de San Miguel.

Ein Spaziergang durch die Geschichte von Madrid

Mit vollem Bauch, aber total zufrieden, mache ich mich nach dem Mercado de San Miguel direkt auf zum Palacio Real, dem Königspalast, der nur 7 Minuten zu Fuß von hier liegt. Schon auf dem Weg dorthin werde ich immer wieder neu von der faszinierenden Architektur Madrids geblendet.

Bis heute ist Spanien ein Königreich und der Königspalast und frühere Sitz des Regenten kann auch noch besichtigt werden. Ich spare mir den Eintritt von 10 Euro und bewundere das Prachtwerk von außen, das bei strahlendem Sonnenschein ein erstklassiges Fotomotiv abgibt. Ich stehe hier vor einem Prachtbau, der sagenhafte 2.800 Zimmer besitzt. Unvorstellbar.

Goya im Prado erleben

Ich spaziere die Calle del Arenal entlang und befinde mich nach knapp 12 Minuten Fußmarsch im Zentrum von Spanien, dem Plaza Puerta del Sol. Dieser ist die tatsächliche Mitte Spaniens und steht an jedem Silvester im Zentrum der Aufmerksamkeit. Auf dem Plaza Puerta del Sol befindet sich ein Glockenturm, der zu Mitternacht an Silvester 12 Glockenschläge ertönen lässt. Zu jedem einzelnen Glockenschlag essen die Spanier eine Weintraube – und das landesweit! Heute laufe ich förmlich Slalom um die vielen Ticketverkäufer, die Lotterietickets verkaufen.

Nach ein paar Minuten Fußweg stehe in der Schlange zum Museo del Prado. Anscheinend bin ich doch nicht die Einzige, die weiß, dass der Prado ab 18 Uhr von Montag bis Samstag kostenlos ist. Naja, so komme ich direkt mit anderen Besuchern ins Gespräch, die mir von den Highlights des Museo del Prado erzählen – echte Kenner der Goya-Gemälde, der spanischen Kunst und vor allem erfahrene Prado-Besucher, die die Räumlichkeiten gut kennen und mir sagen, wo ich am besten anfangen sollte: im Erdgeschoss.

Wer allerdings Lust darauf hat, das Museum (fast) für sich alleine zu haben, der geht am besten in den Morgenstunden, denn um 10 Uhr öffnet der Prado seine Pforten. Außerhalb der kostenlosen Eintrittszeiten kosten Tickets für das Museo del Prado 12 Euro. Besucher können sich die Gemälde Montag bis Samstag von 10 bis 20 Uhr anschauen und Sonntag von 10 bis 19 Uhr.

Ich mache mich in meinen zwei Stunden, die ich für den Besuch reserviert habe, auf eine intensive Suche nach den wichtigsten Goya-Werken. Auf allen drei Ebenen finde ich Gemälde des großen, spanischen Meisters. Mein Tipp: Beginnt eure Goya-Tour am Südende des Untergeschosses. In den Zimmern 64 und 65 findet ihr die berühmten Gemälde El Dos de Mayo und El Tres de Mayo („Die Erschießung der Aufständischen“). Beide Gemälde zeigen schonungslos die Brutalität des Bürgerkrieges. In den Zimmern 66 und 67 auf der gleichen Etage stehe ich vor den „Schwarzen Gemälden“ von Goya und bin absolut fasziniert. Direkt daneben stoppe ich vor El Coloso, das bis 2008 sogar noch zu den „Schwarzen Gemälden“ zählte. Heute ist es ein Kunstwerk für sich. Bevor ich das überwältigende Museum verlasse, spaziere ich noch an La Maja Vestida und La Maja Desnuda auf der ersten Etage vorbei – die vielleicht bedeutendsten Arbeiten von Goya.

Gambas und Tapas – der perfekte Ausklang

Kultur macht hungrig, und da die Abende in Spanien erst spät beginnen, kann ich auch nach meinem Besuch im Prado noch ein leckeres Abendessen in einer der vielen Tapasbars im Herzen Madrids genießen.

Madrid ohne Tapas geht einfach nicht und ein bisschen Geschichte dabei schadet auch nicht. Mich verschlägt es nach den vielen Tipps der Einheimischen, die ich bei meinem Spaziergang kennengelernt habe, ins „La Casa Del Abuelo“. Die kleine Tapasbar hat einige Filialen in Madrid und schaffte es dennoch, ein eigenes Flair zu behalten.
Ich betrete den Laden und sehe sofort das, was mir so viele Einheimische erklärt haben: Garnelenschwänze auf dem Boden. Das ist hier so. Wer Gambas isst, darf die Schwänze auf den Boden werfen – und genau das tue ich auch.

Kunst, Mode und Smoothies in Malasaña

Ich habe vor meinem Abflug noch ein bisschen Zeit und da ich mit dem Flughafentransfer (5 Euro) in nur 30 Minuten am Flughafen bin, verschlägt es mich noch einmal in den Norden von Madrid.

Malasaña, so haben es mir meine spanischen Freunde erklärt, sei das Berlin von Madrid. Hier würden sich die Künstler, die Blogger und die Kreativen treffen – und genau das will ich sehen. Mit der U-Bahn-Linie 1 fahre ich für nur 1,50 Euro bis zur Haltestelle Bilbao und laufe ein paar Minuten, bis ich mich im Herzen von Malasaña, in der Calle del Espíritu Santo, befinde. Meine Freunde hatten recht: Rechts und links wimmelt es nur so von kleinen Cafés, die Fairtrade-Kaffee anbieten, von Second-Hand-Läden, die alte Bücher verkaufen, oder von Läden mit dem typischen Krimskrams.

Meine letzten Minuten vor der Fahrt zum Flughafen verbringe ich im Lolina Vintage Café und genieße den Retrolook: goldene Spiegel, alte Stühle und Plakate aus den 70er-Jahren.

„De Madrid al Cielo“ – ein bekanntes Sprichwort und der wohl beliebteste Satz unter den Madrilenen, die ihre Stadt endlos lieben, bedeutet: „Nach Madrid kommt der Himmel“. Und genau das denke ich mir jetzt, wo ich den letzten Schluck des Smoothies trinke. Auf bis ganz bald, Madrid.

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