Verfasst von Marco Buch am 4.11.2014

Pure Lebensfreude

Man muss Costa Rica einfach gerne haben: Atemberaubende Natur im Überfluss, nette Menschen und eine Lebensfreude, die ihresgleichen sucht. Mal ehrlich, wo sonst auf der Welt kann man im Grunde auf jede Frage „Pura Vida“ antworten, wortwörtlich also „pures Leben“? In Costa Rica verwendet man diese durchweg positive Floskel sogar zur Begrüßung! Bei einem Zufriedenheits-Ranking vor ein paar Jahren schaffte es das mittelamerikanische Land weltweit auf Rang 6. Zu diesem Zeitpunkt beschloss ich, mir das endlich vor Ort anzusehen:

Ich beginne im Norden, beim Vulkan Arenal, erreiche den Ort jedoch erst im Dunkeln. In der Dschungel-Bar Howler’s trinke ich ein paar hopfige Imperial Biere – costa-ricanisch mit Eiswürfeln serviert – und lerne gleich einen Haufen freundlicher Einheimischer kennen.

Pures Leben

Am nächsten Morgen wird leider klar, dass Costa Ricas größter und aktivster Vulkan an diesem Tag im Nebel liegt. Das passiert nicht selten, man braucht ein wenig Glück für die Sichtung. Ich muss mich daher mit Postkarten des beeindruckenden Arenal begnügen. Mit meinem Mietwagen ziehe ich weiter in die HauptstadtSan José (knapp 6 Stunden Fahrt), wo man mich sogleich positiv überrascht: Ein paar nette Leute auf der Straße laden mich zu einer Komödie im Teatro Nacional (Avenida Segunda entre Calles 3 y 5) ein. Zwar verstehe ich kaum ein Wort; das Lachen der Menschen jedoch ist ansteckend. Und als alle zum Applaus „Pura Vida“ skandieren, da gröle ich einfach mit! Danach esse ich noch ein gebratenes Huhn – offenbar jedermanns Leibspeise in der Hauptstadt – und versuche mein Glück im Casino Morazon (1st avenue & 7th Street).

Pure Natur

Tags drauf geht es weiter nach Cahuita nahe der panamaischen Grenze (Fahrtzeit: 7 Stunden). Vorbei an Limettenplantagen und kleinen, bunten Dörfchen.

Als ich ankomme, schlägt mir eine würzige Meeresbrise entgegen. Cahuita ist ein verschlafenes Nest, durch das Reggae-Schwaden und Düfte von gegrillten Meeresfrüchten wabern. Der eigentliche Clou des Dörfchens jedoch: Direkt nebenan beginnt der Nationalpark. Ohne Eintritt, ohne Umzäunung – läuft man am Strand entlang, steht man plötzlich einfach mittendrin!

Tatsächlich ist es hier noch schöner, als ich erwartet habe: Die türkisfarbene Karibik plätschert an weiße Strände, Palmen dippen ihre Blätter ins lauwarme Wasser. Direkt neben dem Strand liegt der Dschungel.

Riesige Schmetterlinge fliegen mir um den Kopf, Affen spielen in den Bäumen Fangen, Blattschneideameisen kreuzen den Weg. Dazu hier und da ein Waschbär oder ein bunter, exotischer Vogel. Doch nicht genug damit, dass man sich hier fühlt wie in einem Open-Air-Zoo, man kann beim Staunen auch noch im flachen Wasser planschen!

Für alle Sinne

Am Abend esse ich gerade ein köstliches Ceviche aus rohem Fisch im empfehlenswerten Chao’s Paradise (an der Playa Negra), als ein Faultier gemächlich quer durch das Restaurant klettert. Außen herum zu laufen, war ihm vermutlich zu aufwändig!

Später lädt die karibisch bemalte Coco’s Bar (Main Road) zum Calypso-Abend. Ich mische mich unter den bunten Haufen aus Touristen und Einheimischen, trinke Tequila und tanze zur live-Musik, die nirgends besser hinpassen könnte als hierher.

Die nächsten Tage sind Entspannung pur: Tagsüber lese ich in meiner Hängematte und schlürfe frisch zubereitete Licuados (lecker-gesunde Fruchtshakes) oder wandele ein weiteres Mal durch die Natur. Abends gehe ich tanzen oder sitze allein am Strand unter einem Sternenhimmel, wie ich ihn noch nie gesehen habe (mein Tipp hierfür: mit einer Taschenlampe auf der Playa Negra in Richtung Norden gehen).

Als ich Costa Rica schließlich verlasse, kommt der Regen noch mal zurück (beste Reisezeit, um ihn zu vermeiden: Dezember bis April). Am Grenzfluss Sixaola stehe ich völlig durchweicht vor dem Grenzer. Nicht weniger nass als ich, klopft er mir lächelnd auf die Schulter. „Komm bald wieder, amigo“, bittet er mich. Ich versichere ihm, dass ich das tun werde. „Pura Vida“, rufen wir beide im Chor.

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