Verfasst von Oliver Zwahlen am 17.02.2015

Cancun: Schwimmen mit den Schildkröten

Mit jedem Schritt, den ich weitergehe, spüre ich wie das Wasser an meinem Bauch und Rücken hochklettert. Die Füße suchen auf dem rutschigen Felsen nach Halt. Nur noch einen oder zwei Schritte und ich kann mich ins klare Wasser gleiten lassen. Auf der anderen Seite springen zwei Mexikaner lauthals von einem Felsvorsprung ins Wasser. So geht’s auch!

Cenote Azul

Ich befinde mich mitten im Cenote Azul oder besser gesagt derzeit noch an seinem Rand. Nach ein paar Tagen in Playa del Carmen war ich auf der Suche nach etwas Abwechslung außerhalb des Hotels. An möglichen Ausflugszielen mangelt es in diesem Teil der Welt nicht: Am bekanntesten sind die Unterhaltungsparks wie Xcaret oder Xel-ha. Mir erschienen diese Sehenswürdigkeiten jedoch als zu künstlich.

Also habe ich mich für den Cenote Azul entschlossen. Auf der Yukatan-Halbinsel soll es mehrere tausend solche Wasserstellen geben. Jede davon hat ihren eigenen Charakter, allen gemeinsam ist jedoch ihre Entstehung: unterirdische Wasserläufe bilden im kalksteinhaltigen Boden mit Wasser gefüllte Höhlen. Bisweilen stürzt die Decke ein und es entsteht (wie hier) ein offener See, oft bezeichnen Cenotes jedoch auch abenteuerliche Tropfsteinhöhlen. Die Mayas betrachteten diese Wasserstellen als Eingang zur Unterwelt und nutzten sie für ihre Opferrituale.

Mit langen Zügen schwimme ich durch das unglaublich klare Wasser. Manche Cenotes sind bis zu 70 Meter tief, doch hier kann ich an den meisten Stellen stehen. Jeden Stein und jeden Fisch erkenne ich auf dem Boden. Da mir im Hauptbecken zu viel Trubel ist, steure ich einen kleineren Bereich auf der Seite an. Hier habe ich ein kleineres Becken für mich alleine.

Der Cenote Azul ist leicht zu erreichen. Der Zugang befindet sich direkt an der Schnellstraße von Cancun nach Chetumal, wenige Kilometer hinter Playa del Carmen auf der Höhe des Ressorts „Barcelo Maya Beach“. Zwar lässt sich der Ort leicht mit Collectivos, den lokalen Bussen, erreichen, doch sind Taxis so günstig (etwa 15 Euro ab Cancun), dass sich das Herumirren schlicht nicht lohnt. Eintritt rund 5 Euro. Wenige Schritte entfernt befinden sich zwei weitere sehenswerte Cenotes.

Schwimmen mit Schildkröten

Den Nachmittag verbringe ich in Akumal. Der leuchtend weiße Strand lädt schon aus großer Entfernung zum Baden ein. Doch die meisten Besucher kommen nicht wegen des feinen Sandes her, sondern wegen der Lebewesen im Wasser.

Akumel liegt rund 20 Kilometer südlich von Playa del Carmen und lässt sich sowohl mit dem Taxi wie auch mit Nahverkehrsbussen erreichen. Beim Tauchzentrum miete ich mir für etwa 15 Euro Flossen und Tauchbrille und schwimme in Richtung offenes Meer. Es dauert nicht lange, bis ich eine erste Wasserschildkröte sehe. Ihre majestätische Größe kann ich unter der Wasseroberfläche schwer einschätzen. Glücklicherweise muss ich nicht lange warten: Nach etwa zwei Minuten taucht das Tier wenige Meter neben mir auf. Ihr Kopf schaut wie das Periskop eines U-Boots aus dem Wasser. Alle 15 Minuten müssen die Panzertiere zum Atmen an die Wasseroberfläche.

So gerne ich der Schildkröte auch auf den Panzer geklopft hätte: Die unter Schutz stehenden Tiere darf man unter keinen Umständen berühren. Andernfalls drohen empfindliche Bußen. Jede Berührung könne das Schutzschild des Panzers angreifen und dazu führen, dass sich dort Krebsgeschwüre bilden, hatte mir der Vermieter meiner Schnorchel-Ausrüstung eingebläut. Dass Umweltschutz hier ernstgenommen wird, zeigen auch die vielen Tafeln, welche die Badegäste auffordern, organischen Sonnenschutz zu verwenden.

Yalku-Lagune

Nach einem leckeren Mittagessen im Turtle Bay Café (Fisch des Tages, ca. 10 Euro und sehr lecker!) mache ich mich auf den Weg zur Yalku-Lagune. Die Lagune lässt sich vom Strand von Akumal aus problemlos zu Fuß in rund 20 Minuten erreichen. Der gut ausgeschilderte Weg führt durch eine Wohnsiedlung und am Turtle Bay Café vorbei.

Wenige Minuten später stehe ich zum dritten Mal innerhalb eines Tags im Wasser. Da hier das Süßwasser aus einem Fluss auf das salzige Meerwasser stößt, hat sich in der Lagune ein außergewöhnliches Habitat für zahlreiche Fische und andere Wassertiere entwickelt. Mit etwas Glück lassen sich hier Papageien-Fische, Barrakudas und Manta-Rochen sichten. Doch auch ohne die bekannten Arten ist das Schnorcheln ein Erlebnis: An wenigen Orten habe ich ein so reichhaltiges Leben unter Wasser gesehen.

Fast genauso beeindruckend wie die Unterwasserwelt fand ich den kleinen, aber sehr gepflegten Park, der sich am Ufer befindet. Im Dickicht hoppeln mir gleich zwei Hasen über den Weg und ein paar Schritte weiter schleicht sich ein Leguan durch das Unterholz. Alle paar Meter befinden sich Sitzbänke und moderne Skulpturen. Viele davon stammen von den inzwischen verstorbenen lateinamerikanischen Bildhauern Charlotte Yazbek und Franciso Zaniga. Sehr schön sind auch die Uferabschnitte mit einer kleinen Hütte, die man mieten kann (Preis auf Anfrage) und die neben dem Baden auch zu einem Picknick für die ganze Familie einladen.

Da inzwischen dunkle Wolken aufziehen, bevorzuge ich es, wieder zurück zu fahren. Den erlebnisreichen Tag beende ich mich einem kühlen Bier. Eine der besten Adresse hierfür ist Mannes Biergarten im Zentrum von Playa del Carmen (Calle 4 Norte). Die Kneipe befindet sich in deutscher Hand und bietet die vermutlich beste Auswahl an unterschiedlichen Biersorten in der ganzen Stadt an zu günstigen Preisen unter 2 Euro.

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