Verfasst von Cornelia Lohs am 14.07.2015

Brighton – kosmopolitisch, kreativ und etwas exotisch

Immer wenn ich in einer Stadt bin, die ich noch nicht kenne, suche ich mir den höchsten Punkt aus, um mir einen ersten Überblick zu verschaffen. In Brighton ist es das Riesenrad „Brighton Wheel“ an der Strandpromenade und deshalb an diesem Morgen um 10 Uhr meine erste Anlaufstelle.

Als sich das Rad in Bewegung setzt, ertönt eine Stimme aus einem Lautsprecher in der Gondel, die mir alles Wissenswerte zu Brighton und zur Geschichte des Riesenrades erzählt. Gebaut wurde es in Deutschland für die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika 2010, ein Jahr später wurde es nach Brighton verfrachtet und steht seitdem an der Strandpromenade. Als die Gondel auf 50 Metern ihren höchsten Punkt erreicht hat, bleibt sie kurz stehen und bietet mir einen spektakulären Blick über den Strand auf der einen Seite und die Straßen und Gebäude der Stadt auf der anderen, zu denen ich nun allerhand erfahre.

Das Rad dreht sich in 12 Minuten viermal komplett und als ich aussteige, würde ich die Fahrt am liebsten noch mal antreten. Was mich davon abhält ist der Preis von 8 Pfund (ca. 11,20 Euro), der sich für eine Fahrt allerdings mehr als gelohnt hat, denn ich hatte einen herrlichen Blick über die Stadt und eine Art Stadtführung zugleich.

Vergnügungsmeile Brighton Pier

Neben dem Riesenrad liegt die knapp 530 Meter lange Seebrücke Brighton Pier, deren Ausmaße mir schon aus 50 Metern Höhe ins Auge gefallen sind.

Im 19. Jahrhundert Flaniermeile, erinnert sie heute an einen Jahrmarkt. In der Mitte des Piers befinden sich unzählige Fish & Chips-Buden, Spielhallen und Tattooläden, entlang des Geländers sonnen sich Einheimische und Touristen in Liegestühlen, im hinteren Teil stehen diverse Karussells und eine Wasserrutsche.

Obwohl es noch nicht mal halb elf ist, herrscht reger Trubel. Familien mit Kindern sind unterwegs zu den Karussells, Sprachschüler aus aller Welt stellen sich für Selfies in Pose, vor den Fischbuden stehen lange Schlangen, aus den Tattooläden hört ihr das Summen der Nadeln und durch die Türen der Spielhallen dringt Lärm. In der Luft hängt der Geruch von Fisch & Chips.

Ich dränge mich zwischen den Menschenmassen zum Ende des Piers vor, denn hier habe ich einen grandiosen Blick über den Strand, die Seepromenade und das Riesenrad.

Royal Pavilion – der britische Taj Mahal

Auf den ersten Blick wirkt der gigantische indisch angehauchte Palast, der in einem Park mitten in der Stadt steht, tatsächlich wie der Taj Mahal.

Auf der lehrreichen Fahrt mit dem Riesenrad habe ich die Geschichte zum Palast bereits erfahren. Der spätere König George IV. ließ den exotischen Palast 1815 als Lustschloss erbauen. George war für seinen extravaganten Lebensstil bekannt. In Brighton verliebte er sich 1784 in die Irin Maria Fitzherbert. Da sie Katholikin war und er bei einer Eheschließung deshalb von der Thronfolge ausgeschlossen worden wäre, heiratete er sie heimlich. Sein Vater bekam es heraus, und George musste sich auf Druck scheiden lassen. Was ihn jedoch nicht daran hinderte, im Laufe der Jahre mit Fitzherbert neun Kinder zu zeugen. Die Affäre soll ein Leben lang angedauert haben und angeblich ließ George zwischen Palast und der Villa seiner Geliebten einen geheimen unterirdischen Tunnel bauen. Soweit der Klatsch.

Als ich den Palast betrete, staune ich über die gigantischen Ausmaße der Räume. Sie sind teilweise so groß, dass ich mich darin verlieren könnte. Von innen ist der Palast alles andere als indisch angehaucht. Sämtliche Räume sind im chinesischen Stil ausgestattet mit viel Rot und Gold. Von den Decken hängen die pompösesten Kronleuchter, die ich je gesehen habe. Prunkstück und mein absoluter Lieblingsraum ist der phantasievoll eingerichtete Bankettsaal. In der Mitte des riesigen Raumes steht eine festlich gedeckte Tafel mit wunderschönem chinesischen Porzellan, Kristallgläsern und außergewöhnlichen Kerzenleuchtern. Um den langen Tisch herum gruppieren sich 36 Stühle. Der Kronleuchter, der über dem Tisch hängt wiegt eine Tonne, ist neun Meter lang und befindet in den Klauen eines versilberten Drachens. Leider ist Fotografieren im Raum verboten. Während des Ersten Weltkrieges diente der Palast von 1914 bis 1916 als Hospital für indische Soldaten. Wurde er dafür ausgewählt, weil er zumindest von außen an einen indischen Palast erinnert? Der Eintritt kostet 10,35 Pfund (14,50 Euro) – nicht zu teuer für so viel Pracht!

Vietnamesisches Street Food zum Mittagessen

In Brighton gibt es rund 500 Restaurants, da habe ich die Qual der Wahl. Ich entscheide mich für Pho in der Black Lion Street 12, die sämtliche Gerichte aus der traditionellen vietnamesischen Küche auch in der vegetarischen und veganen Variante anbieten. Die Karte ist umfangreich und jedes Gericht kostet zwischen 5 und 10 Pfund (7 bis 14 Euro).

Shopping im North Laine Viertel

„Die verrücktesten Läden findest du im North Laine und zwar mehr als 300“, erfahre ich von einer Einheimischen, mit der ich im Pho ins Gespräch gekommen bin. Vom Restaurant bis zum North Laine Viertel sind es zu Fuß nur 15 Minuten.

In den kleinen Straßen des Viertels reiht sich ein Laden an den anderen. Es gibt tatsächlich nichts, was man nicht findet: Schuhe, Klamotten und Accessoires aus den letzten vier Jahrzehnten, Bücher, Filme, Schallplatten, Möbel und dazwischen jede Menge kleine Restaurants und ausgefallene Cafés.

Ich stöbere im Snooper’s Paradise in Kendington Gardens, einem gigantischen Flohmarkt auf zwei Stockwerken, der einem Labyrinth ähnelt und sich über zwei Hausnummern erstreckt. Immer wenn ich von einem Gang in den nächsten gelange und denke, dass ich jetzt das Ende des Ladens erreicht habe, tut sich ein neuer Gang auf. Ich finde Mode aus meiner Teenagerzeit, edle Designer-Stücke aus vergangenen Tagen, Spielzeug aus meiner Kindheit und Möbel, die noch aus dem Wohnzimmer meiner Uroma kenne.

Ich kaufe nichts, denn ich habe eine Radtour vor mir und möchte vorher nicht unbedingt ins Hotel zurückgehen, um Einkaufstüten abzuladen.

Radtour entlang der Küste

Ich fahre zunächst mit dem Bus Nummer 7 zur Hove Station im Stadtteil Hove und laufe von dort aus zur nahen Ethel Street 86, wo sich der Fahrradverleih Cycle Brighton befindet.

Die Tagesrate für das Rad beträgt 15 Pfund (21 Euro). Ausgerüstet mit einer Routenkarte, die es kostenlos dazugibt, radle ich zur Uferpromenade von Hove und von dort aus auf dem Radweg zum Brighton Pier. Dort wimmelt es von Menschen, keiner schert sich um den Radweg, ich muss ständig klingeln und sozusagen Slalom fahren. Zum Glück bin ich eine geübte City-Bikerin! Richtung Marina wird es etwas ruhiger.

Kurz nach der Marina beginnt ein acht Kilometer langer Radweg zwischen Kreidefelsen und Meer. Herrlich, bei strahlendem Sonnenschein, dem Rauschen des Meeres und Möwengekreisch zu radeln.

Links über mir liegt die Roedean School, ein exklusives Mädchen-Internat, das im Halbjahr umgerechnet 16.000 Euro kostet.

In dem malerischen Dörfchen Rottingdean verlasse ich den Radweg und stoppe kurz in einem Gartencafé zur Tea Time. Ein Muss – schließlich befinde ich mich in England! Nach einer Tasse Grüntee radle ich nach Brighton bzw. Hove und gebe mein Fahrrad zurück.

Preston Manor – so lebten Großgrundbesitzer im 19. Jahrhundert

Die Zeit ist knapp. Ich möchte unbedingt noch das Herrenhaus Preston Manor besichtigen, das eines der schönsten Häuser in Brighton aus dem 18. Jahrhundert sein soll, jedoch eher einem Gebäude aus dem 20. Jahrhundert gleicht. Das Haus schließt um 17 Uhr, aber zum Glück liegt es auch in Hove und der Preston Park ist nicht allzu weit vom Fahrradshop entfernt. Das Haus, das der Familie Stanford gehörte, ist seit 1933 ein Museum und mit den Originalmöbeln und Gegenständen der ehemaligen Besitzer ausgestattet.

Die Räume sind wunderschön, ich habe tatsächlich das Gefühl, das Haus wäre noch bewohnt. Im Untergeschoss befindet sich die riesige Küche, die mich stark an die Küchenräume der Fernsehserie Downton Abbey erinnert – vor allem die zahlreichen Klingeln entlang der Wand, die jedem einzelnen Raum im Haus zugeordnet sind. Der Angestellte im Museumshop erzählt mir, dass er sich in dem Haus allein unwohl fühlt, da es spukt. Er schwört, dass er aus den oberen Zimmern öfter eine Frau weinen hört (Eintritt 5,85 Pfund, ca. 8 Euro). Ich kaufe mir das Preston Manor Buch mit zahlreichen Abbildungen für 5 Pfund, um mehr über die ehemaligen Bewohner zu erfahren. Ich gehe zu Fuß ins Zentrum zurück und bin eine halbe Stunde später im Hotel, wo ich mich von dem langen Tag erst einmal ausruhe.

Dinner im Terre à Terre

Für 19:30 Uhr habe ich mir einen Tisch im preisgekröntenTerre à Terre in der East Street 71 reservieren lassen. Das 1993 eröffnete Restaurant gilt als Fest für die Sinne und als bestes vegetarisches Restaurant in Großbritannien.

Ich kann mich zwischen den vielen Gerichten auf der Karte nicht entscheiden, weshalb mir die Kellnerin als Hauptgericht zu einem Teller rät, auf dem von allem etwas ist. Das dreigängige Menü ist so phantasievoll zubereitet und lecker, dass ich ewig weiter essen könnte. Mit 29 Pfund (40 Euro) nicht gerade billig, aber sein Geld wert.

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