Verfasst von Sara Chahrrour am 24.03.2015

Berlin: eine charmant-entspannte Ikone

Obwohl ich schon lange in Berlin wohne, bin ich immer nervös, wenn sich Besuch ankündigt. Natürlich möchte ich die schönsten Ecken der Stadt zeigen, gerade dann, wenn jemand noch nie hier war und bisher meine Wahlheimat nur aus dem TV oder Erzählungen kennt hat. Berlin ist nicht (nur) wild und dreckig, sondern bezaubernd und charmant. Wie immer gilt auch diesmal,
ein entspanntes und abwechslungsreiches Programm zusammenzustellen, das ein positives Bild von Berlin zeichnet.

Shopping und Sightseeing in der City-West

Das Tolle an Berlin: Alle Sehenswürdigkeiten lassen sich in kürzester Zeit erreichen. Dafür müsst ihr nicht viel Geld bezahlen, sondern könnt den Bus der Linie 100 nehmen. Eine halbe Stunde braucht der Doppeldecker vom Alexanderplatz bis zum Bahnhof Zoo bei einem Fahrpreis von rund 1,30 Euro. Ihr kommt vorbei am Tiergarten, der Siegessäule, dem Brandenburger Tor, dem Reichstag und dem Fernsehturm, Berlins Himmelsikone. An jedem der bedeutenden Orte könnt ihr aussteigen und fotografieren, denn alle fünf Minuten kommt der nächste Bus.

Nach dieser Einführungstour steigen wir am Zoo aus und besuchen die anliegende Bikini Mall. Dieses neu eröffnete Konzept-Shoppingzentrum ist für Liebhaber von Mode, Architektur und Inneneinrichtung ein Muss. Hier stellen Designer ihre Produkte als kaufbare Kunst aus. Anders als in anderen Malls findet man hier keine Stangenware, sondern junge Modelabels und Künstler, die sich in einer ästhetischen und originellen Art und Weise in Szene setzen. Ihr findet im Gebäude unter anderem den Gestalten-Verlag voller Kunstbücher und Designer-Handwerk, Klamotten verschiedener Marken wie Levis und ACNE sowie und temporäre Galerien. Für besondere Souvenirs und einen Eindruck in die Berliner Ideenwelt ist ein Besuch im Bikini äußerst inspirierend. Im Gestalten-Café gönnen wir uns eine Pause bei Snacks und Tee für rund 10 Euro, den Ausblick auf das Affengehege des Zoo nebenan gibt’s gratis dazu.

Wir nehmen im Anschluss vom Bahnhof Zoo die S-Bahn Richtung Ostbahnhof und steigen an der Haltestelle Bellevue aus, um das Hansaviertel zu besuchen. Dieses Viertel wurde zur Internationalen Bauausstellung 1957 errichtet, von namenhaften Architekturgrößen wie Le Corbusier, Egon Eiermann und Walter Gropius. Das Hansaviertel wirkt mitten im architektonisch wirren Berlin wie eine gestalterische Oase. Wo man hinsieht: viel Grün, gerade Linien und hochwachsende Bauhaus-Plattenbauten, die heute zu den begehrenswertesten Immobilien der Stadt gehören.

Das Hansaviertel ist ein ruhiges Wohngebiet, mitten im Tiergarten, durch den wir unseren Spaziergang bis zur Bushaltestelle Großer Stern (Siegessäule) fortsetzen. Der 100er Bus bringt uns zur Friedrichstraße, wo das Abendessen auf uns wartet.

Es geht ins Crackers: In diesem feinen, aber sehr entspannten Restaurant bekommt man auch spontan einen Platz. Angerufen haben wir trotzdem einige Stunden zuvor. Das Crackers ist nicht nur optisch ein tolles Restaurant, sondern serviert auch einfache, aber gehobene Küche in cooler Atmosphäre. Goldenes Besteck und junge Gäste runden den hippen Eindruck ab. Das Fisch-Ceviche zur Vorspeise und das Steak als Hauptgang konnten, genauso wie die Haselnuss-Creme als Dessert, absolut begeistern. Ein ausgelassenes Dinner mit Wein und Drinks kostet hier pro Person ungefähr 40 bis 50 Euro und im Anschluss kann man im Crackers bleiben: Eine Bar mit großartigem Service und Live-DJs liefern das passende Berlin-Nachtprogramm.

Kunst, Kultur und die Tempelhofer Freiheit

Am nächsten Tag freue ich mich auf einen Besuch der Sammlung Borus. Dafür habe ich bereits einige Wochen zuvor einen Besuchstermin auf dem Kalender der offiziellen Webseite gemacht, da ich nur in geführten Gruppen Einlass in diese private Kunstsammlung bekomme. In einem ehemaligen Bunker kann ich Kunstwerke bekannter kontemporärer Künstler wie Ai Weiwei und Olafur Eliasson bewundern. Die Betonwände der engen Korridore und die niedrigen Decken machen den Gang durch diese Galerie zu etwas Einzigartigem und verleihen der Kunst noch mal mehr diesen ganz spezifischen, rohen Berlin-Charme.

Nach dieser eindrucksvollen Erfahrung lassen wir es ruhig angehen. Wir spazieren vom Bunker in das schöne Berlin-Mitte um den Hackeschen Markt herum. Auf der Mulackstraße flanieren wir beim Schaufensterbummeln zwischen Designer-Marken und hochwertigen Vintage-Läden bis zu unserem Mittagessen in der „Kantine“. Die „Kantine“ ist ein unscheinbares Restaurant in der Joachimstraße, konzipiert von den Chipperfield-Architekten. Das Essen ist lokal bezogen mit täglich wechselnder Karte und ihr speist für bereits 10 Euro hervorragend. Hier isst die kreative Szene von Berlin zu Mittag. Die Speisen reichen von Gulasch bis Curry, schmecken köstlich und haben nichts mit dem gewöhnlichen Kantinenessen zu tun.

Wir steigen danach ins Taxi, jetzt möchte ich ein neues Wahrzeichen Berlins vorstellen: das Tempelhofer Feld. Wir leihen uns an einem der vielen Stände am Feld Fahrräder aus – 10 Euro pro Tag und Rad – und fahren über das ehemalige Rollfeld. Dieses Gefühl der Freiheit ist weltweit einzigartig. An einem schönen Tag wimmelt es von spielenden Kindern, picknickenden Gruppen, Tänzern, Skatern, Läufern – es scheint, als könne sich die ganze Welt auf Tempelhof entfalten. Und so verbringen auch wir den Tag damit, alle die Ecken des Flughafens zu erkunden und den Sonnenuntergang zu bestaunen. Das ist hier nämlich, mit einem Horizont wie am Meer, am schönsten.

Ich freue mich heute ganz besonders auf das Abendessen. Es geht in mein Lieblingsrestaurant: der „Goldene Hahn“. Wir spazieren vom Tempelhofer Feld etwa dreißig Minuten durch Neukölln und Kreuzberg, bis wir in der Pücklerstraße ankommen. Der „Goldene Hahn“ ist ein Stammlokal für viele Anwohner, denn den kleinen Italiener gibt es schon seit 20 Jahren. Hier läuft die Musik von Schallplatte und jeden Tag steht ein neues Menü mit wechselnden Vor- und Hauptspeisen auf einer Tafel. Hier stimmen nicht nur die Preise – Vorspeisen zwischen 8 und 13 Euro, Pasta ab 10 Euro, Hauptspeisen ab 17 Euro –, sondern auch Personal, Stimmung und natürlich das Essen. Das Weinsortiment ist vortrefflich.

Am liebsten sitze ich an den Fenster-Barplätzen: Mit Ausblick auf die Kreuzberger Nacht lässt sich das Octopuscarpaccio, gefolgt von einer Pasta des Tages, am besten genießen. Allerdings solltet ihr definitiv online reservieren, denn es kann schon mal chaotisch voll werden. Das gehört zum Kreuzberger Charme dazu. Und natürlich auch, dass man bis tief in die Nacht an der Bar ihm Hahn versackt …

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