Verfasst von Inna Hemme am 21.08.2015

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Strandurlaub Bahamas Karibik

Bahamas: Heiratsanträge im Keller, frittierte Meeresschnecke und schwimmende Schweine

Ich stehe in einem auf 17 Grad abgekühlten Weinkellerraum vor einem festlich gedeckten Tisch und zittere. Von allen Seiten schauen mich Flaschen an. Hier soll also Jay-Z seiner Beyoncé den Antrag gemacht haben. Und dafür hat er einiges springen lassen: Alleine die Miete für den Raum – ohne Essen – liegt bei knapp 1.000 Euro.

Der Keller des Graycliff Hotels hat die drittgrößte Weinsammlung der Welt – im Wert von 35 Millionen Euro. Die teuerste Flasche ist mit ca. 200.000 Euro ein deutscher Dessertwein aus dem Jahr 1727. Schon Nelson Mandela und Prinz Charles tranken hier ein Gläschen, Beyoncé wahrscheinlich mehrere, um sich aufzuwärmen. Hoffentlich musste sich die Arme vorher nicht die 106 Seiten lange Weinkarte durchlesen.

Wo Stadtführungen besser schmecken

Wie die meisten Touristen verbringe ich meinen Bahamas-Urlaub zunächst auf der Insel New Providence mit der Hauptstadt Nassau. Sie ist zwar eine der kleinsten, aber auch die am dichtesten besiedelte Insel der Bahamas. Hier leben zwei Drittel der rund 350.000 Einwohner. Eine schnelle und leckere Art, die Stadt kennenzulernen, ist eine vierstündige Food-Tour (ca. 50 Euro pro Person. Ihre „Erfinderin“, Alanna, führt uns durch die koloniale Pastell-Altstadt – mit Zwischenstopps in einheimischen Restaurants, die wir ohne sie gar nicht gefunden hätten.

In kurzer Zeit probieren wir in Mini-Portionen alles, wozu wir sonst Tage bräuchten: Ofenhähnchen mit Tomatensoße, Bohnenreis, Mac and Cheese, dazu die Limonade Switcha und natürlich das Nationalgericht Conch, das die bescheidenen einheimischen Männer für ihre „außerordentliche Potenz“ verantwortlich machen soll. Diese Meeresschnecke wird entweder frisch als eine Art Ceviche (Conch Salad), gekocht in einer Cremesuppe (Conch Chowder) oder frittiert (Conch Fritters) serviert. Und schmeckt jedes Mal anders.

Junkanoo zweimal im Jahr

Der Zeitpunkt dieser Völlerei könnte nicht ungünstiger gewählt sein, denn erstens muss ich nach der Food Tour etwa eine Viertelstunde zu der West Bay Street laufen, wo gleich die Junkanoo-Parade vorbeizieht. Und zweitens wollte ich bei diesem Karneval des Sommers eigentlich auch noch etwas mittanzen. Zweimal im Jahr steigt in Nassau das große Straßenfest Junkanoo – einmal als Karneval und einmal als Festival. Beide Male schmücken sich die Teilnehmer mit ein paar Federn. Auf dem Weg dorthin hole ich mir eine mit Gin gefüllte Kokosnuss (heißt Sky Juice und kostet vier Euro) und werde sofort von einer Gruppe Trommler in den Straßenumzug gezogen. Und siehe da: Mit Sky Juice tanzt es sich wie von alleine.

Die Meer-Schweinchen von Exuma

Die skurrilste Sehenswürdigkeit auf den Bahamas sind die schwimmenden Schweine. Um mich dazuzugesellen, muss ich aber erst auf das aus 360 Inseln bestehende Bahamas-Archipel Exuma fliegen. Über eine Stunde lang darf ich die Inseln aus der Luft bewundern. Der Weg zu den Schweinen ist ein besonders schöner.

Auf der Hauptinsel Great Exuma fahren wir etwa eine weitere Stunde zu einem Strand, von wo aus die Bootstouren zu Pig Beach starten (120 Euro pro Person). Und da sind sie schon: Grunzend kommt ein Eber auf mich zugeschwommen, seine Nase immer schön über dem Wasser gehalten, und schnappt sich das erste Stück Weißbrot. „Er ist hier der Chef“, sagt Bootskapitän Ray Lightbourne, dem die 20 Schweine auf der Insel gehören. Wie die einzig wahren „Meer-Schweinchen“ hierherkamen, dazu gibt es viele Legenden. Mal heißt es, ihre Vorfahren wurden einst von den Piraten ausgesetzt – als Frühstücksspeck-Depot. Dann wiederum sollen sie ein Schiffsunglück überlebt und sich vermehrt haben.

Die wahre Geschichte erzählt mir aber ihr „Papa“ Ray persönlich: „Es gab mal einen Bauern auf einer weiter entfernten Exuma-Insel. Die Nachbarn beschwerten sich über den fürchterlichen Gestank seiner Schweine – also brachte er sie auf eine kleine, unbewohnte Nebeninsel und kam täglich zum Füttern. Irgendwann fingen die Tiere an, in Vorfreude zu seinem Boot zu schwimmen. Bis dato wusste man noch nicht einmal, dass Schweine überhaupt schwimmen können!“

Die Schweine-Insel wurde schnell zu einer Mega-Attraktion für alle vorbeifahrenden Boote, auch das von Ray. Also beschloss er vor vier Jahren, auf einer näheren Insel Schweine auszusetzen – damals waren es fünf – und daraus einen Ausflug für Touristen zu machen. Während ich es mir im Wasser neben einem Eber gemütlich mache, schnappt Ray nach einem Ferkel, geht ins tiefere Wasser und lässt es los. „Schwimmunterricht!“, ruft er. Das Ferkel quietscht zunächst zwar wie am Spieß, paddelt dann aber doch eifrig zum Ufer. Einen Monat dauert es in der Regel, bis die kleinen „Meer-Schweinchen“ ihr Seepferdchen haben. Und ebenfalls zu den Booten rausschwimmen können. Ich will nicht wissen, wie viele Touristen sich nach diesem Ausflug ein Hausschwein zugelegt haben!

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