Verfasst von Katharina Jacobs am 21.11.2014

Auszeit vom Alltag – auf Rügen

Wie jedes Mal, wenn ich über die Rügenbrücke von Stralsund aus auf Deutschlands größte Insel übersetze, werde ich ganz ruhig. Das Meer, der Strand, die Natur – das alles bedeutet für mich Entschleunigung. Auf Rügen ticken die Uhren eine Spur langsamer. Und diese Ruhe möchte ich in den nächsten zwei Tagen genießen.

Heimische Produkte und kleine Kuriositäten

Mein Weg führt mich an die Ostküste. Erster Stopp: Thiessow. Im idyllischen Hafen findet jeden Dienstag und Donnerstag der Rügen-Markt statt. Über 70 lokale Produzenten und Kunsthandwerker bieten dort kulinarische Erzeugnisse sowie handwerkliche und künstlerische Einzelstücke an – tolle individuelle Mitbringsel. Für weniger als zehn Euro decke ich mich hier mit frischem Brot aus dem Holzofen, Räucherfisch und Käse vom Ziegenhof Palmzin ein. Das perfekte Picknick für einen ausgedehnten Strandspaziergang.

An der der Ostsee-Küste …

Meinen Spaziergang starte ich im sieben Kilometer entfernten Göhren. Entlang der breiten Sandstrände wandere ich vorbei an Baabe bis nach Sellin. Unterwegs stärke ich mich mit meinen mitgebrachten Leckereien. Ich kann mich kaum sattsehen an der rauen Ostsee.

Nach anderthalb Stunden erreiche ich schließlich das Seebad Sellin. Dort steige ich in den „Rasenden Roland“, eine dampflokbetriebene Schmalspureisenbahn, die seit 1895 mit gemütlichen 30 Stundenkilometern über die Insel tuckert. Für vier Euro bringt mich die Bahn in einer knappen halbe Stunde bis nach Binz.

Eintauchen in die Seebad-Atmosphäre

Angekommen in Binz erfüllt mich sogleich das quirlige Treiben des pittoresken Kurorts. Ich genieße den Blick von der Seebrücke und schlendere die Promenade entlang, vorbei am imposanten Kurhaus bis zur Strandhalle. Das gemütliche Lokal wirbt mit den Worten: fein-bürgerliche Küche zu klein-bürgerlichen Preisen – und das zu Recht. Ob Ostseedorsch, Matjes oder Labskaus – in der Strandhalle stehen vor allem regionale Produkte und klassische Gerichte auf der Karte. Nach dem Essen spaziere ich durch den Park der Sinne am Schmachter See. Eine tolle Kulisse für einen stimmungsvollen Sonnenuntergang.

Am Abend bringt mich der „Rasende Roland“ zurück nach Baabe in mein Hotel. Im Garten des Hauses mit eigenem Bach gönne ich mir einen „Aperol Spritz“ nach dem ersten, sehr entspannenden Urlaubstag.

Von Fischern, Mönchen und Nonnen

Früh am nächsten Morgen mache ich mich auf den Weg zur Aalkate von Udo Parchow. Der Fischer nimmt nach Absprache Besucher mit auf den Greifswalder Bodden. Noch bevor die ersten Ausflugsdampfer ablegen, haben wir bereits unsere Angelrouten ausgeworfen. In der Stille des Sees beobachten wir Kraniche, die, genau wie wir, auf einen guten Fang hoffen.

Zurück an Land zieht es mich nach Alt-Reddevitz auf der Halbinsel Mönchgut, nicht weit vom Boots-Anleger entfernt. Im urigen Café Moccavino gönne ich mir ein Stück der ausgezeichneten selbstgemachten Sanddorn-Torte für 3 Euro und eine heiße Tasse Tee.

Das Biosphären Reservat auf der Halbinsel Mönchgut ist auch Startpunkt für meine heutige rund acht Kilometer lange Wanderung über die Zickerschen Berge. Los geht´s an der Kirche in Groß Zicker entlang des Kammwegs zum Bakenberg, der mit 69 Meter höchsten Erhebung auf Rügen. Mit tollem Blick auf die Südostküste der Insel spaziere ich weiter bis zu einem Kliff, von wo aus ich zum Nonnenloch, einer gewaltigen Erosionsrinne mit imposanten Findlingen, und zum Strand gelange. Schilder weisen mir den Weg zurück zu meinem Ausgangsort.

Bevor ich am späten Nachmittag Abschied nehme von Rügen, mache ich noch einen letzten Stopp im Taun Hövt in Groß Zicker. Ich genieße die gemütliche Atmosphäre im „alten Buddelschiff“ und bestelle mir frische Fischsuppe für unter fünf Euro. Gestärkt und voller neuer Eindrücke trete ich die Heimreise an – und freue mich schon jetzt auf die nächste Auszeit auf Deutschlands größter Insel.

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