Verfasst von Jana Zieseniß am 28.11.2014

Athen ist die europäische Hauptstadt der Straßenkünstler

Ein älterer Mann neben mir zückt seine Kamera. Nicht die Akropolis oder alte dorische Säulen nimmt er ins Visier, sondern eine knallbunte Häuserwand. Ich bin im hippen Athener Stadtteil Psiri, wo es vor Streetart nur so wimmelt. Zusammen mit dem alten Mann bestaune ich die Arbeit des bekannten Athener Straßenkünstler Sonke, der die Innenstadt mit Bildern einer ehemaligen Geliebten verziert hat. Überall hat er seine bunten Liebeschwüre hinterlassen. Überhaupt sind Graffitis in Athen keine Seltenheit. Nicht umsonst wird die Stadt auch als Streetart Capital Europas bezeichnet.

Auf den Spuren der Straßenkunst

Einen faszinierenden Einblick in die Geschichte und Vielfalt der Straßenkunst Athens bekomme ich während meiner Streetart-Tour mit Dopios. Mein Guide Manolis ist selbst Straßenkünstler und kennt jede Geschichte hinter den einzelnen Kunstwerken und die meisten Artists sogar persönlich. Vier Stunden lang streifen wir gemeinsam durch den Stadtteil Psiri und entdecken immer neue Orte, an die ich sonst wohl nie gekommen wäre.

Wie gut, dass ich mich vorher mit dem besten Souvlaki der Stadt gestärkt habe. Das gibt es übrigens bei Kostas (Kωστας) auf dem St. Irinis Square. Zwischen lauter Einheimischen genieße ich die köstlichen Souvlaki- und Keftedes-(Hackbällchen)Pitas einfach aus der Aluschale. Aus dem winzigen Innenraum duftet es herrlich nach gegrilltem Fleisch. Ein echter Geheimtipp, der allerdings nur bis in den frühen Nachmittag geöffnet ist! Wer im Anschluss noch Appetit auf einen Nachtisch hat, ist nebenan bei LUKUMAΔΕΣin der 21 Aiolou Straße gut aufgehoben. Das Café ist bekannt für seine Loukoumades, kleine Donut-ähnliche Teigkugeln, die mit Honig und Zimt gegessen werden. Lecker!

Antike trifft Moderne

In Athen gehen moderne und alte Kunst Hand in Hand. So ist das Stadtviertel Keramikos nicht nur das wichtigste Zentrum der attischen Keramikproduktion, sondern auch ein moderner Stadtteil mit vielen Cafés. Und hinter dem einstigen antiken Friedhof ragt die ehemalige Gasfabrik Gazi hervor, die heute ein wichtiges Kulturzentrum ist.

Gazi, Metaxourgio, Psiri – bei den vielen unterschiedlichen Stadtteilen von Athen lässt sich schnell der Überblick verlieren. Dabei ist die Innenstadt so überschaubar, dass ihr sie am besten zu Fuß erkundet. Wer ihr doch mal schnell von A nach B kommen möchtet, bietet sich die Metro an. Für einen Fahrpreis von 1,20 Euro kommt ihr einmal quer durch die Stadt. Mit der U-Bahn geht es für mich nun in das alternative Studentenviertel Exarchia im Norden der Stadt, das ein bisschen an den früheren Prenzlauer Berg in Berlin erinnert.

Urban Gardening in Exarchia

Eine Besonderheit ist der Navarino-Park mitten im Herzen des Viertels. Unter dem Motto „Grünfläche statt Beton“verwandelten die Bewohner im Jahr 2009 einen unerwünschten Parkplatz in einer Nacht-und-Nebel-Aktion in eine öffentliche Gartenanlage. Am Rande des Parks haben sich Bars und Cafés angesiedelt. Kein Stadtteil Athens ist bunter, schriller und lebhafter als Exarchia. Und wenn ihr euch vom alternativen Flair nicht abschrecken lasst, könnt ihr hier in das echte Athener Nachtleben eintauchen. Exarchia ist – besonders an den Wochenenden – das Ausgehviertel der Stadt. Die Straßen verwandeln sich in spontane Partymeilen und das günstige Bier fließt in Strömen – oftmals bis zum Sonnenaufgang. Die Griechen wissen eben, wie man feiert und das Leben genießt.

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