Verfasst von Maike Grunwald am 17.06.2015

Allgäu: Wandern und genießen in den Hörnerdörfern

Glatt liegt er vor uns, der Auwaldsee. Ein „Kraftort“ sei er, sagen die Hiesigen über das stille Gewässer nahe dem Ursprung der rauschenden Iller. An warmen Sommertagen leuchtet sein Wasser smaragdgrün, in klaren Winternächten spiegelt er weiß vereist das Licht von Tausenden von Sternen.

Gipfel und „Gottesbeton“

Ich bin zum ersten Mal in Fischen im Allgäu und habe mich sofort verliebt – in die wunderschöne Berglandschaft und die Leute, die so viel freundlicher sind, als ihr Ruf vom wortkargen Bergvolk es ahnen lässt. Der kleine Kurort im deutsch-österreichischen Naturpark Nagelfluhkette gehört zu den fünf so genannten Hörnerdörfern: Fischen, Balderschwang, Bolsterlang, Obermaiselstein und Ofterschwang. Benannt sind sie nach der nahen „Hörnergruppe“: einer Gipfelkette zwischen 1406 Metern (Ofterschwanger Horn) und 1787 Metern (Riedberger Horn). Ihre eigenartigen Formen verdanken die Berge dem „Gottesbeton“, wie das Nagelfluh-Gestein hier genannt wird: ein Konglomerat aus festen runden Kieselsteinen, die mit Sand und Ton zu „Beton“ verbacken sind.

Für Wanderer ist die Gegend ein Traum. Viele Panorama-Wanderwege werden im Winter geräumt. Wilde Bergkulissen, anspruchsvolle Gipfelziele, blühende Wiesen und gemütliche Alphütten laden zu ausgiebigen Touren ein. Zwischendurch eine deftige Brotzeit mit würzigem Allgäuer Bergkäse (zum Beispiel von der Bergkäs-Sennerei Schweineberg in Ofterschwang, ab 10,90 Euro pro Kilo, jeden Dienstag ist Sennerei-Führung mit Käseprobe) – das ist Gipfelglück für mich!

Wandern in drei Höhenlagen

Eine hervorragende Möglichkeit, die Vielfalt der Allgäuer Landschaft zu genießen, ist die „Wandertrilogie“: 876 Kilometer gut ausgeschilderte, gepflegte Wege in 51 Etappen und drei Höhenlagen. Aus drei Routen kann jeder seine individuelle Tour zusammenstellen. Unterwegs zeigen Schilder die Wanderzeit und den Schwierigkeitsgrad bis zum nächsten Etappenziel. Für Einsteiger ist die „Wiesengänger-Route“ ideal, die in etwa 600 bis 900 Metern Höhe auf leichten Wegen durch die Landschaft führt. Die „Wasserläufer-Route“ schlängelt sich bereits in 800 bis 1.500 Metern Höhe auf voralpinen Wegen an Seen und Wasserfällen entlang.

Die Hörnerdörfer liegen an den anspruchsvolleren Etappen der „Himmelsstürmer-Route“. Auf teils steilen Wegen in 1.000 bis 2.000 Metern Höhe ist fitte Wanderlust gefragt – und wird mit herrlichen Rundum-Panoramablicken in abgeschiedener Natur belohnt. Kleiner Tipp für Bequeme: Wer sein Gepäck nicht schleppen will, kann es transportieren lassen (10 Euro pro Etappe und Gepäckstück, Mail an shuttle@allgaeu.de). Schön an der Wandertrilogie finde ich auch die Geschichten, die an bestimmten Orten auf Schildern zu lesen sind, zum Beispiel am Auwaldsee (kostenfreie Wandertrilogie-Übersichtskarte und Servicebuch mit Etappenbeschreibungen bestellbar über info@allgaeu.de).

Hörnertouren für Groß und Klein

Die Hörnergruppe bietet aber auch zahlreiche leichte Wanderwege, die ideal für Familien mit Kindern oder gemütliche Spaziergänger sind. Etwa der schöne Panoramaweg vom Ofterschwanger Horn zum Bolsterlanger Horn. Von beiden Seiten lässt sich der Auf- und Abstieg mit Bergbahnen bequem verkürzen (z.B. mit dem Sessellift „Weltcup-Express“ aufs Ofterschwanger Horn: Bergfahrt 9,50 Euro, Berg- und Talfahrt 14 Euro). Zwischen den Talstationen fährt ein Pendelbus.

Auf dem Panoramaweg (Dauer: etwa drei bis vier Stunden) können mehrere Gipfel je nach Lust und Fitness entweder umgangen oder gestürmt werden, zum Beispiel das Rangiswanger Horn (1.612 m) oder der Weiherkopf (1.665 m). Die Abstecher zu den Gipfeln führen dann jeweils über deutlich steilere Wege. Die Aussicht ist einmalig.

Von Rumpelklausen und Ski-Geschichten

Als schönes Highlight für Groß und Klein nicht nur an Regentagen empfehle ich das Heimatmuseum in Fischen, das in einem 300 Jahre alten typischen Allgäuer Bauernhaus liegt (Eintritt 2 Euro, für Fischener Gäste frei). Von außen wirkt das „Gschwenderhaus“ klein. Erst innen offenbart sich der Reichtum an Alltagsgegenständen, Bauernmöbeln, Trachten und Werkzeugen, liebevoll zusammengetragen und gepflegt.

Unheimlich sind die Kostüme für die Rumpelklausen, die nach uraltem Brauchtum am Nikolaustag Geister vertreiben. Neben einer Bauernküche samt Butterfass, Bierbrau- und Käserei-Utensilien, mehreren Schlafkammern, einer kompletten historischen Schuhmacherwerkstatt sowie einer beeindruckenden Sammlungen von antiken Uhren und Kameras bestaune ich in Stall und Tenne einen Fuhrpark an Kutschen und Bauerngeräten. Ein wahres Juwel ist das große Skimuseum im ersten Stock, das zu den besten in Deutschland gehört und auch international bekannt ist. Hier könnte ich Stunden verbringen.

Allgäuer Bier selbst brauen und verkosten

Abends mache ich mich selbst ans Bierbrauen und zwar beim Bergbauernwirt in Bolsterlang. Manuela und Wolfgang, die in ihrer Wirtschaft eine eigene Kleinbrauerei betreiben, zeigen mir, wie das geht: Beim „Einmaischen“ werden Malz und Wasser vermengt, dann wird „geläutert“, Hopfen und Hefe zugegeben, bis das Ganze vergoren wird. Wolfgang hat die verschiedenen Zwischenschritte schon vorbereitet, so dass wir Malz, Hopfen, Würze, Sud und Jungbier testen können – und später sogar die selbst gebrauten Biere, zum Beispiel die „Schwarze Seele“: köstlich und einmalig.

Dabei erfahre auch Interessantes über die Geschichte der Braukunst, die Entstehung verschiedener Geschmacksnoten und mehr. Der Brauabend, der jeden Donnerstag im Bergbauernwirt stattfindet, ist kostenlos. Eine Verkostung von sechs Bieren aus bayrischen und österreichischen Brauereien mit internationalen Bierstilen wie Stout, Porter, Wit, Kräuter- oder Fruchtbier, Bockbier und holzfassgereiftes Bier mit Käse und Schokolade kostet 13,90 Euro pro Person und findet mehrmals pro Woche statt (ab drei Personen).

Lokale Spezialitäten genießen

Die gute Allgäuer Küche wird beim gemütlich-geselligen „Migelig-Obend“ gefeiert, der immer montags beim Bergbauernwirt steigt (ab 19 Uhr, 14,90 Euro pro Erwachsener, 9,90 Euro pro Kind). Bei Live-Musik, Geschichten und Rezept-Tipps gibt es Allgäuer Spezialitäten in vier Gängen, etwa Brot im Tontopf, Kässpatzen und Katzeg’schrei (Rindfleischpfanne). Diese und andere Gerichte stehen natürlich auch täglich regulär beim Bergbauernwirt auf der Speisekarte (z.B. „Käserdäpfle“, Käse-Bratkartoffeln, 7,50 Euro).

Zum Schluss noch ein feiner Kulinarik-Tipp in Fischen: Das Restaurant Poststüble ist bei Gästen und Einheimischen für die hervorragende Qualität der gehobenen und gutbürgerlichen Küche bekannt. Ich empfehle die Allgäuer Kässpatzen mit buntem Salat (9,80 Euro).

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