Verfasst von Anne Steinbach am 29.04.2015

24 Stunden in Amsterdam

Der Boden quietscht und das Licht ist gedimmt. Jeder einzelne Tisch um mich herum ist besetzt und in den Gesichtern der Gäste macht sich ein Lächeln breit, wenn die Kellnerin mit den riesigen Tellern ankommt: Es gibt Pancakes. Besser kann ein Morgen in Amsterdam nicht beginnen.

Ich freue mich riesig auf meinen Lachs-Frischkäse-Pancake und schneide mir genüsslich das erste Stück ab. Pancakes in Amsterdam, das ist ein bisschen wie die Schrippe in Berlin oder der Apfelstrudel in Österreich: Es geht einfach nicht ohne. Deswegen stehen an jeder Ecke in Amsterdam neue Pancake-Paläste. Ich sitze in meinem Lieblingsladen, der Pancake Bakery, die in der Speisekarte drei Seiten voller Pancake-Varianten hat (alle um die 13 Euro). Da kann die Wahl am Morgen auch schon einmal ein bisschen länger dauern.

Die Pancake Bakery befindet sich in der Prinsengracht mitten im Grachtengürtel, der übrigens seit 2010 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Satt und zufrieden laufe ich die Prinsengracht entlang, vorbei an typischen Grachtenhäusern, die mehrere hundert Jahre alt sind und einen ganz ehrwürdigen Charme ausstrahlen.

Ein Spaziergang durch die 9 Straatjes

Ich mache mich von der Prinsengracht aus zu Fuß auf den Weg durch die 9 Straatjes, die zu meinen absoluten Lieblingsplätzen in Amsterdam gehören. Die 9 Straatjes, zu Deutsch: „9 Straßen“, sind die Straßen, die den Grachtengürtel miteinander verbinden.

Es sind nur wenige Minuten Fußweg zur Berenstraat, in der sich liebevoll eingerichtete Boutiquen befinden: Im Smaak stöbere ich durch die vielen tollen Taschen und Portemonnaies, im „Mendo“ lasse ich mich von den Kunstbüchern vieler kleiner Künstler und Fotografen inspirieren und im Second-Hand-Laden „Episode“ bin ich von der großen Auswahl an Vintage-Klamotten begeistert: Pullis, Hosen und Schuhe, die ich zuvor nur in alten Madonna-Videoclips gesehen habe.

Nach der ersten Brücke, die mich über die Keizersgracht in die Wolvenstraat bringt, stehe ich vor weiteren Boutiquen und zahlreichen Cafés, die zum Kaffeetrinken einladen. Ich habe heute aber einen ganz anderen Plan: Ein Urlaubstag in Amsterdam ist nämlich nur echt, wenn ich mit dem Fahrrad, oder Fiets, wie es die Holländer nennen, durch die Straßen radele.

Mit dem Fahrrad durch den Vondelpark

Ein Geheimtipp für einen Tag mit dem Rad in Amsterdam: Verzichtet am besten auf die typischen Touristenfahrräder und mietet viel lieber in den kleinen Läden ein Fahrrad, denn so fallt ihr weniger auf und könnt ganz entspannt durch die Stadt radeln. Die Touristenräder haben meist eine knallige Farbe und Logos von Vermietern, die unter den Holländern als „Touristen-Vermietungen“ bekannt sind. Deswegen entscheide ich mich für ein unscheinbares Rad und kann mich so unter die Einheimischen schummeln, die mich jetzt nicht mehr mürrisch anklingeln oder mich mal schnell von links oder rechts überholen. Nein, jetzt bin ich schon fast eine echte Amsterdamerin.

Ich habe mir für 9 Euro am Tag ein Fahrrad bei Amstel Bikes in der Nähe von der Straßenbahn-Haltestelle Westermarkt gemietet und fahre durch die Grachten bei strahlendem Sonnenschein Richtung Vondelpark.

Schon am Eingang fühle ich mich, als wäre ich in einer komplett anderen Welt von Amsterdam gelandet: Läufer hecheln an mir vorbei, auf der Wiese wird gegrillt und die Blumen, die zahllos aus der Wiese sprießen, tun ihr Übriges, um mir das wahre Amsterdam-Gefühl zu vermitteln.

Ich radle durch den Park und sauge alle Eindrücke ein, die an mir vorbeiziehen. Mein kleiner Tipp für hungrige Radler: Im Vondelpark gibt es zwar mehrere Restaurants, aber viel toller sind die kleinen Stände, an denen es frische Hot Dogs und Pommes gibt, und genau die gönne ich mir als kleine Stärkung für nur 2,70 Euro (kleine Portion). Übrigens hat das Fahrrad vor allen anderen Straßenteilnehmern Vorrang. Das heißt, dass ein Fahrrad selbst vor Fußgängern und Autos Vorrang hat, die es allerdings nicht im Vondelpark gibt. Generell gilt: Ein „Pas Op!“ (Aufpassen!) und eine laute Klingel können da schon einiges bewirken.

Geschichte am Nachmittag: Das Anne Frank Haus

Im Anschluss mache ich mich auf den Weg zurück zur Prinsengracht. Diesmal nicht zum Essen, sondern um mir das geschichtsträchtige Anne Frank Haus anzuschauen. Jeden Tag bilden sich lange Schlangen am Eingang. Ich wollte mir das lange Anstehen sparen und habe mir mein Ticket online gekauft. Davon gibt es immer nur ein paar und es ist ein absolutes Glücksspiel, ob noch Karten online verfügbar sind oder nicht. Schon beim Betreten des Hauses und dem Anblick der düsteren Wände bekomme ich Gänsehaut. Das Anne Frank Haus erzählt die Geschichte des jüdischen Mädchens, das 1945 von den Nationalsozialisten in Bergen Belsen ermordet wurde. Ein Rundgang durch die Zimmer, in denen Anne Frank gelebt und ihr berühmtes Tagebuch geschrieben hat, dauert rund eine Stunde. 9 Euro kostet die Eintrittskarte. Das Museum ist täglich geöffnet.

Der beste Apfelkuchen der Welt: Café Winkel

Ich brauche eine Verschnaufpause und radle vom Anne Frank Haus knappe 2 Minuten bis in das Café Winkel, wo ich mir den wohl letzten Platz auf der begehrten Terrasse sichere. Ich bin hier, um den besten Apfelkuchen der Welt zu essen.

Der besteht aus großen Stücken von Bioäpfeln und dickem Teig. Mit einem Klecks Sahne am Rand erlebe ich hier ein absolutes Geschmackserlebnis: Winkel, das mit der Appeltaart hast du einfach drauf!

Ein Stück Apfelkuchen kostet 3,50 Euro und kann hier den ganzen Tag lang, von ca. 8 Uhr morgens bis 1 Uhr in der Nacht, gegessen werden.

Canvas op de 7e oder: über den Dächern von Amsterdam

Nachdem ich mein geliebtes Fiets abgegeben habe, laufe ich zum Hauptbahnhof und nehme von hier die U-Bahn Nummer 51 bis zur Haltestelle Wibaustraat (Tickets für eine Strecke kosten 2,90 Euro, ein Tagesticket kostet 7,50 Euro). Nach nur 10 Minuten stehe ich vor dem Volkshotel und freue mich riesig auf mein Abendessen im „Canvas op de 7e“ – das heißt nicht nur einfach so, sondern ist wirklich auf der 7. Etage. Das Restaurant ist bekannt für die Einrichtung, die ein bisschen an einen Mix aus Garage und Gewächshaus mit einem Hauch Berlin wirkt: Frische Blumen stecken in früheren Marmeladengläsern, die Stühle erinnern an einen Flohmarkt und das Essen wird edel auf den Holzbrettern angerichtet.

Das ganz Besondere an diesem Restaurant? Direkt von meinem Tisch aus habe ich einen atemberaubenden Blick über Amsterdam und lasse meinen tollen Tag in einer meiner Lieblingsstädte bei einem Flammkuchen für knapp 13 Euro und den letzten Sonnenstrahlen, die mein Gesicht kitzeln, ausklingen.

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