Von wilden Eseln und goldenem Sand – ein Roadtrip durch Nordzypern

Paphos mit seinen Mosaiken, das Katzenkloster bei Limassol, Agia Napa und seine Partynächte – nach einer Woche Zypern lassen wir den aufregenden Süden der Insel hinter uns: Wir wollen das andere Zypern kennenlernen, den türkisch besiedelten Norden. Um genau zu sein: Es zieht uns auf die nordöstliche Halbinsel Karpaz. Mittendrin: Der Golden Beach, Zyperns unberührtester Strand – Schildkröten und Wanderdünen inklusive.

Zwei Seiten einer Stadt: Nikosia, Europas letzte geteilte Hauptstadt

Inmitten der belebten Altstadt Nikosias, auf der Ledra Street, überqueren wir zu Fuß die Grenze der seit 1974 geteilten Mittelmeerinsel. Häuserruinen entlang der Pufferzone erzählen vom damals eskalierten Konflikt zwischen griechischen und türkischen Zyprern. Bis 2008 gab es hier kein Durchkommen – heute zeigen wir an den kleinen Grenzhäuschen den Personalausweis und bekommen ganz unkompliziert ein kostenloses Visum, mit dem wir uns im Nordteil der Insel frei bewegen können.

Den Mietwagen haben wir ein paar Tage zuvor für rund 100 Euro im Internet gebucht. Bis wir ihn abholen können, ist noch Zeit. Also tauschen wir in einer Wechselstube Euro gegen türkische Lira, die in Nordzypern als Zahlungsmittel genutzt werden. Vorbei an kleinen Holzwagen, auf denen frische Sesamkringel, sogenannte Simit, verkauft werden, an Männern, die im Schatten Backgammon spielen, schlüpfen wir durch die Tore des pittoresken Büyük Han, einer Herberge aus dem 16. Jahrhundert, wo kleine Kunsthandwerksläden zum Bummeln einladen. Nur ein paar Meter weiter werfen wir einen Blick in die Selimiye-Moschee, die ab 1209 als gotische Sophienkathedrale erbaut worden war. Zuletzt holen wir uns im Kyrenia Gate, das Teil der sternförmigen, venezianischen Stadtmauer ist, noch Last-Minute-Tipps für unseren Roadtrip – das kleine Gebäude beherbergt die Touristeninformation.

Unterwegs nach Karpaz

Keine halbe Stunde später sitzen wir in einem nagelneuen Hyundai i20 mit Klima-Anlage und Dachfenster. Etwas ungewohnt: Der Fahrer steigt rechts ein. In ganz Zypern herrscht nämlich Linksverkehr. Mit einer Karte auf Türkisch und Englisch, die uns der Angestellte der Autovermietung zusammen mit einem freundlichen „Gute Fahrt!“ (auf Deutsch!) mit auf den Weg gibt, geht es nach Norden – raus aus der Stadt. Vorsichtig schwimmen wir im Verkehr mit und biegen am Stadtrand gen Osten ab, zuerst auf die Autobahn Richtung Yeni Iskele, dann weiter über Kumyali und Dipkarpaz. Golden Beach, wir kommen.

Trotz der Sommerhitze und des wenigen Regens in diesem Jahr ist die Landschaft erstaunlich grün. Im Radio spielen sie türkische Popmusik.

Nachdem die Autobahn einer gut befahrbaren Küstenroute gewichen ist, wird die Straße nach insgesamt zwei Stunden Fahrt noch einmal schmaler: Sie schlängelt sich durch Felder und Hügelketten am Rand des Naturparks Karpaz Milli Parki. Kein Ortsschild seit dreißig Minuten. Dafür wilde Esel zwischen den Ruinen alter Scheunen. Am Ende der Straße wartet die orthodoxe Wallfahrtskirche Apostolos Andreas. Unser Ziel aber ist heute ein anderes.

Von der Straße aus, etwa drei Kilometer vor der Kirche, ahnen wir nicht, was der Hügel zu unsere Rechten verdeckt. Nur ein kleines Schild am Wegrand, das kurz hinter der einzigen ganz scharfen Rechtskurve an einer Hügelkuppe auftaucht, verrät, dass wir unserem Ziel zum Greifen nah sind. Noch eine letzte Kurve und dann: Wasser, Sonne, Strand, so weit das Auge reicht. Und das Beste daran: Es ist menschenleer.

Aussteigertraum am Golden Beach

Fast jedenfalls: Hakan, der hier lebt, ist ein Aussteiger. Vor der malerischen Kulisse betreibt er eine kleine Bar und vermietet Bungalows mitten in den Dünen. Er liebt dieses Leben, das merkt man. Mit Blick auf den Golden Beach kehren wir bei ihm ein.

Das Essen ist großartig: Frischer Salat, Oliven, selbstgemachte Pommes und gegrillter Halloumi kosten hier 15 Euro. Nach einem Kaffee steigen wir die kleinen Holzstufen zum Strand hinab: eine kilometerlange Bucht, glasklares Wasser, feinster Sand. Schöner könnte es in der Karibik kaum sein. Wir nehmen uns ausgiebig Zeit zu baden und vergraben die Füße im vom Sommer noch warmen Sand. Das könnte noch Tage so weitergehen. Stattdessen ist es spät geworden, wir müssen zurück. Hakan bringt uns ein letztes Glas Çay. Unser Blick beim Abschied verrät uns: Eigentlich möchten wir hier nie wieder weg.

Taina Niederwipper Und Matthias Steinbrecher

Taina Niederwipper Und Matthias Steinbrecher

Taina Niederwipper macht PR für gute Sachen. Wohnt in Berlin, der einzigen Stadt, in der sie nie wohnen wollte. Studierte in Hildesheim, Nikosia und Kansas City ein Ding, das sich Magister nannte. Merkte bei einem Praktikum in Washington, dass sie vielleicht doch irgendwas mit Medien machen wollte und beschloss, dranzubleiben. 2013 dann die Entscheidung, zu bloggen, weil Schreiben und Fotografieren zusammen gehören. Außerdem gute Begründung, um immer schon die übernächste Reise zu planen. Sie liebt Kaffee, Castingshows, Kater Limo und das Internet. Wird schwach bei alten Leuchtreklamen, auf Flohmärkten und beim Anblick der Karte im Sushi-Laden um die Ecke. Matthias Steinbrecher dreht alles außer krumme Dinger, findet auch mit völlig Fremden immer ein Gesprächsthema und hat grundsätzlich mehr Fragen als Antworten. Liebt Synthesizer und Gitarren, die Berliner U-Bahn, alte Northern Soul-Platten und runtergekommene Stadtviertel. Findet, dass der Harz unterschätzt wird, auch, aber nicht nur, weil das seine Heimat ist. Hat einen Hang zu osteuropäischen Ländern, aber längst noch nicht alle gesehen.

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