Viva Las Vegas!

Selbst im „Land der Superlative“ ist Las Vegas das Nonplusultra: Alles ist noch verrückter und schriller als im Rest der USA. Las Vegas, Oase in der Wüste Nevadas und in den 1940er Jahren noch ein verschlafenes Nest, ist heute die Stadt, in der man in einer Nacht vom Tellerwäscher zum Millionär werden kann. Zumindest in kühnen Träumen.

Zum Träumen bin ich auch hergekommen, denn Las Vegas verspricht Spaß, Spiel und Entertainment rund um die Uhr. Ich will den Alltag für ein paar Tage gegen eine berauschend glitzernde Scheinwelt eintauschen.

Haie in der Wüste

Am legendären „Welcome to fabulous Las Vegas“-Sign beginnt mein Abenteuer in Sin City. Und der weltberühmte Strip. Es ist jener fast 7 Kilometer lange Abschnitt des Las Vegas Boulevard, an dem sich die großen, extravaganten Casino-Ressorts um den besten Platz drängeln und mit blinkenden Neon-Reklamen, Licht-Shows und Nachbildungen weltberühmter Sehenswürdigkeiten um Aufmerksamkeit heischen.

Mein erster Stopp ist das Mandalay Bay (3950 S Las Vegas Blvd.) mit dem Shark Reef, dem „Riff der Haie“: ein gigantisches Aquarium mit tausenden Meerestieren und nicht weniger als 15 verschiedenen Haiarten. Wagemutige können hier tauchen, mir reicht eine Tour durch spektakuläre Glastunnel, die durch die blau leuchtende Unterwasserwelt mit ihren exotischen Bewohnern führen. 18 US-Dollar Eintritt sind gut investiert.

Vulkanausbruch gibt es gratis

Las Vegas kann teuer sein. Muss es aber nicht. Viele Attraktionen, gerade an den Casinos, lassen sich umsonst genießen. Die berühmten, bis 140 Meter hohen Wasserfontänen mit Musik- und Lichtshow vor dem Bellagio (3600 S Las Vegas Blvd.) tanzen halbstündlich, abends sogar im 15-Minuten-Takt.

Am Mirage (3600 S Las Vegas Blvd.) bricht zuverlässig nach Einbruch der Dunkelheit der legendäre Vulkan aus und spuckt seine Flammen bis weit in die Nacht. Die private Gondelfahrt durch den Canal Grande des Hotel Venetian (3355 S Las Vegas Blvd.) reißt mit rund 80 US-Dollar ein Loch ins Budget, ist aber auch nicht nach meinem Geschmack.

Elvis lebt und singt in Las Vegas

Ein günstiges Vergnügen, das ich mir gönne, ist ein Foto zusammen mit einem der Elvis-Doubles, die den Strip bevölkern. Ein Dollar kostet das nette Souvenir mit dem sympathisch lachenden Typen im hautengen Glitzerkostüm und gegelter Haartolle. Überhaupt ist hier jeder freundlich, fragt, ob ich mich amüsiere, „Fun“ habe. Ja, habe ich definitiv! Und Lust auf „mehr Elvis“, der schließlich Idol meiner Kindheit war. Ich finde ihn in der Piano Bar im Harrah’s (3475 S Las Vegas Blvd.): Big Elvis, bekanntester Imitator des legendären King of Rock’n’Roll, gibt dort Songs wie „Viva Las Vegas“ zum Besten. Ziemlich gut sogar. Kein Wunder, dass er zu einer der Top-Attraktionen der Stadt zählt. Der Eintritt ist zu meiner Überraschung frei.

Gambling im Caesars Palace

Shows gehören eigentlich nicht zum günstigen Zeitvertreib in Las Vegas. Wer flexibel ist, sucht im Web nach Angeboten für den gleichen Abend, zum Beispiel für die Illusions-Show des Deutschen Jan Rouven, der gerade als neuer Star in Las Vegas gefeiert wird. Ich habe meine Pläne für die Nacht jedoch schon geschmiedet: Glücksspiel im Caesars Palace!

Das Casino liegt direkt am Strip, über den sich inzwischen Autoschlangen schieben: Luxuskarossen, Jeeps und ganze Busse voller Nachtschwärmer. Das Publikum hat sich herausgeputzt und auch der Strip funkelt von Neon-Reklamen und den Lichtern der Stadt.

Natürlich bin ich Laie, kenne mich weder mit Black Jack, Poker noch Roulette aus, aber bei den Einarmigen Banditen im Casino kann eigentlich nichts schiefgehen. Der Einsatz ist ein Dollar. Auch das ist kein Risiko. Spieler bekommen einen Gratis-Cocktail. Die Kellnerin erwartet jedoch ein Trinkgeld. Wieder ein Dollar. Meine Slotmachine rotiert, blinkt und klingelt. Um mich herum Frauen und Männer in guter Stimmung, ebenfalls mit Cocktails in der Hand. Manche spielen verbissen, die meisten aber genießen die prickelnde Spannung ums Spiel. Das Casino gewinnt immer. Das weiß ich. Nachdem ich aus einem Dollar zehn gemacht und verloren habe, ziehe ich lieber weiter. Neues Spiel, neues Glück, neuer Cocktail.

Jutta Ingala

Jutta Ingala

Jutta M. Ingala, verheiratet, Mutter eines Teenagers, ist fest im Münsterland verwurzelt. Sie schreibt in ihrem persönlichen Blog 6 Grad Ost über große und kleine Reisen. Es geht um Orte, Menschen und Begegnungen, um Natur und Stadtgeflüster. Sie erzählt Geschichten, die mit einer Momentaufnahme beginnen: einem Museumsbesuch, einem Flirt in einem Café oder einem Buch, das sie inspiriert. Jutta sieht in jedem Ort das Besondere, liebt Details. Sie sind die Essenz der Dinge. Reisen bedeutet Menschen treffen und ein Gespräch beginnen. Darum mag sie fremde Sprachen. Literatur, Kunst und Geschichte, Design und Architektur interessieren sie genauso wie Hiking and Cycling, wie fremde Küche, Handwerk und Tradition. Beliebigkeit und Kitsch mag sie nicht.