Side – Badeort mit historischem Flair

Es ist warm an der Türkischen Riviera. Sogar zum Jahresende steigen die Temperaturen auf mehr als 20 Grad. Über den Booten im kleinen Hafenbecken Sides kreisen ein paar Möwen. Zusammen mit meiner Freundin sitze ich im Apollonik-Restaurant direkt an der Kaimauer. Auf der Terrasse finden wir unter schattenspendenden Weinblättern Schutz vor der heißen Mittagssonne und genießen zugleich den wohl besten türkischen Kaffee im Ort.

Heute gehen wir auf historische Spurensuche. War ich bisher davon ausgegangen, dass Side nur einer von vielen Badeorten an den traumhaften, langgezogenen Stränden der Türkischen Riviera ist, werde ich nun eines Besseren belehrt. Tatsächlich gleicht Side einem Open-Air-Museum. Griechen, Römer und Byzantiner – sie alle hinterließen hier ihre Spuren.

Historisches Side

Schon bei der Ankunft in Side fallen die Ruinen links und rechts am Straßenrand auf. Die alte Stadtmauer und die Überreste antikerWohnhäuser säumen die asphaltierte Straße, die in den Ort führt. Durch das Vespian-Tor aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. gelangen wir in die historische Altstadt Sides.

Nur ein paar Schritte weiter befindet sich das sehr gut erhaltene antike Theater. 5 Euro kostet der Eintritt in die alten Gemäuer, in denen einst 20.000 Menschen Platz fanden. Jetzt sind wir ganz allein und genießen die Ruhe in einer der oberen Sitzreihen. Mein Blick schweift über die einstige Bühne bis hinaus auf die Dünenlandschaft hinter dem Theater. Viele Ruinen ragen aus den Sandmassen hervor. Ein richtiger Abenteuerspielplatz.

Wir folgen unserem neugierigen Entdeckungstrieb und wandern landeinwärts durch die Dünen, bergauf und bergab. Heuschrecken hüpfen durch das trockene Gestrüpp. Vor der Agora, dem alten Marktplatz aus dem 2. Jahrhundert, bleiben wir stehen. Von hier sind es nur noch ein paar Meter bis zu den wunderschönen, natürlichen Stränden östlich Sides. Doch denken wir gar nicht an ein erfrischendes Bad im Mittelmeer. Stattdessen sind wir weiter auf Erkundungstour und schlendern an diesen und jenen Mauerresten aus römischer und byzantinischer Zeit vorbei.

Wir atmen Geschichte und stehen plötzlich wieder an der Straße vor dem Vespasian-Tor. In einem alten, türkischen Badehaus befindet sich das kleine Stadtmuseum. Wir bestaunen einige der ausgestellten Artefakte der Hochkulturen, die einst in Side zu finden waren. Nach all den Ruinen bekommen wir noch einmal einen detaillierteren Einblick in die bewegte Vergangenheit des Ortes.

Shopping in Side

Wir kehren zurück in die belebten, gepflegten Straßen Sides. Hier sitzen die Händler vor ihren kleinen Läden und verkaufen Kleidung, Lederwaren und Souvenirs. Ein paar edel anmutende Geschäfte versprechen qualitativ hochwertige Produkte: Gold- und Silberschmuck etwa, Uhren aus dem Hause Wainer. Wir begeben uns auf eine ausgiebige Shoppingtour durch die niedlichen Gassen des Ortes. Zwar erzielen wir nicht gerade ein Schnäppchen nach dem anderen, aber im Vergleich zu Deutschland sind die Preise noch immer wesentlich günstiger und die Qualität bei vielen Produkten dennoch sehr hoch. Ich kaufe mir eine Softshell-Jacke für 45 Euro, für die ich zuhause wahrscheinlich den vierfachen Preis bezahlt hätte.

Doch herausragend in Side sind die Gewürzstände. Mit geschlossenen Augen stehen wir vor der Auslage und lassen die verschiedenen Düfte von Rosmarin, Lorbeer, Kreuzkümmel, scharfem Paprikapulver und Chili auf uns wirken. So frisch und aromatisch sind die Gewürze in Deutschland nicht zu bekommen. Wir nehmen hiervon und davon, haben am Ende ein halbes Kilo beisammen und zahlen etwa 20 Euro.

Am Nachmittag bummeln wir entlang Sides Uferpromenade in östlicher Richtung. Wir lassen den Ort hinter uns und verbringen ein paar Stunden am menschenleeren Strand. Säuselnd brechen sich die Wellen und verwischen immer wieder unsere Fußspuren im Sand.

Essen und Trinken

Erst gegen Abend spazieren wir erneut zum Hafen. Entlang des Ufers der Halbinsel, auf der sich Sides historischer Kern befindet, reiht sich ein Restaurant an das nächste. Sie alle sind auf große Touristenströme eingestellt. Das kulinarische Angebot ist international, die Speisekarten mehrsprachig. Wir entscheiden uns für das Aphrodite direkt am Hafen und betreten das Restaurant über die weite, weiße Holzterrasse. Vom freundlichen Personal wird uns ein Tisch auf der Dachterrasse mit herrlichem Blick auf den Hafen zugewiesen. Wir lassen uns traditionell türkische und mediterrane Küche schmecken. Im Licht der untergehenden Sonne essen wir zartes, saftiges, im Ofen gebackenes Lammfleisch und gegrilltes Lachsfilet in einer herrlichen Pilz-Mandel-Soße für jeweils 15 Euro.Besser kann ein Tag an der türkischen Mittelmeerküste kaum enden.

Morten Hübbe

Morten Hübbe

Wir sind Morten und Rochssare, zwei Nordlichter, die nicht mehr anders können: wir wollen reisen und unterwegs sein. Und das dauerhaft. Das Wichtigste dabei ist für uns die Entschleunigung des Reisens. Langsam soll es sein. Wir wollen tief einsinken in die Kultur eines Reiselandes. Unser letzter Trip durch Südamerika hat zum Beispiel über zwei Jahre gedauert. Und wir sind immer noch nicht reisesatt. Momentan befinden wir uns auf dem Indischen Subkontinent. Damit wir so lange reisen können, beschränken wir uns dabei auf das Nötigste. Einfach und authentisch und nah an den Menschen. Darum reisen wir mit Zelt und Autostopp und nutzen Couchsurfing. Welche Erfahrungen wir dabei machen, wollen wir euch hier erzählen. Abenteuerlich, unterhaltsam, weitwinklig und unvoreingenommen neugierig.

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