San Francisco: das etwas andere, buntere Amerika

Während ich mich mit der einen Hand noch schnell an der Haltestange festklammere und mit der anderen versuche, die Kamera zu zücken, setzt sich der alte Wagen schon in Bewegung und rumpelt langsam die steile Powell Street im Herzen von San Francisco hinauf. Moment mal – ist das nicht eine dieser Städte, die man am besten zu Fuß erkundet? Ja! Doch mindestens einmal möchte ich mit einem der alten Cable Cars fahren, von denen es heute nur noch drei Linien gibt.

Stadt der Ausblicke

Zum Glück stehe ich außen auf der rechten Seite, denn als wir oben auf dem Hügel ankommen, bietet sich mir einer der besten Ausblicke überhaupt: über die Stadt mit ihren Hügeln und hübschen viktorianischen Häusern in Pastellfarben, die auf einer Halbinsel ins Meer hineinreicht, auf drei Seiten vom Pazifik umgeben. Und der liegt nun direkt vor mir – mein Blick schweift über die gesamte Bay, in der von hier oben deutlich die berüchtigte Gefängnisinsel Alcatraz zu sehen ist.

Auf der anderen Seite spuckt mich das Cable Car in der Nähe der Fisherman’s Wharf wieder aus. Weil mir der berühmte Pier 39 mit seinen Touristenmassen und Souvenirshops zu anstrengend ist, bummle ich weiter Richtung Hyde St Pier, an dem mehrere historische Schiffe liegen. Vom Pier und dem angrenzenden Park habe ich einen ebenso guten Blick über die Bay – zum Glück hat sich der Nebel verzogen, so dass ich am Horizont einen Blick auf die Golden Gate Bridge erhaschen kann. Und wieder denke ich, „Unfassbar, wie schön diese Stadt ist!“, und muss mich regelrecht von dem Anblick losreißen.

Auf dem Rückweg komme ich am Ghirardelli Square vorbei. Wer Hunger und Lust auf typisch Amerikanisches hat, kann hier einen Stopp im Eisladen der Ghirardelli Schokoladenfabrik einlegen oder sich bei Lori’s Diner im 50er Jahre-Ambiente mit Burgern oder Pancakes stärken. Doch mich zieht es heute weiter, in ein Stadtviertel, das noch immer den Geist der Hippie-Bewegung verkörpert und voller schöner alter Häuser, kleiner ausgefallener Läden, Cafés, Restaurants und Bars ist: Haight-Ashbury, oder einfach „The Haight“.

Das Hippie-Feeling von einst

In den 60er Jahren zog es junge Leute und Musiker aus der ganzen Welt auf der Suche nach Peace und Love nach Haight-Ashbury. Noch heute finden sich dort Läden mit verrückten Hippie-Klamotten und -Accessoires, bunte Wandgemälde, Peace-Zeichen und ein interessantes und buntes Publikum.

Zwischen hübsch restaurierten und bunt angemalten viktorianischen Holzhäusern bummele ich die Haight Street entlang – die Hauptstraße des Viertels. Im Gegensatz zu den großen Kaufhäusern und Ketten, die man Downtown zwischen Union Square, Powell und Market Street findet, komme ich hier angesichts der vielen kleinen, unabhängigen Boutiquen und leicht skurrilen Klamotten- und Accessoires-Läden in Shopping- und Entdeckerlaune.

Shopping und Kulinarisches

Entlang der „Kiezmeile“ Haight Street gibt es alles von wild gebatikten Hippie-Klamotten über viktorianische Kleider und Zylinder im Steampunk-Stil, ausgewählte Second Hand-Kleidung und verrückt-bunte Festival-Outfits bis zum Plattenladen und kleinen lokalen Designer-Labels, dazwischen immer wieder Cafés, kleine Restaurants und Bars.

Bei „Decades of Fashion“ gibt es Vintage-Kleidung aus verschiedensten Epochen vom 19. Jahrhundert bis zu den 1990ern, die auch noch wunderbar präsentiert wird. Hier kann man auch einfach schauen und staunen. Bei „Bettie Page Clothing“ stöbere ich in Retro-Kleidern im Stil der 40er und 50er Jahre, und in Boutiquen wie „Ambiance“ finde ich eine sorgfältige Auswahl an angesagten Klamotten amerikanischer Marken zu moderaten Preisen. Zwischendurch trinke ich einen Kaffee im „Coffee Cantata“ und beobachte das Treiben.

Da das Wetter schön ist, entspanne ich zwischendurch auch im Golden Gate Park, der am westlichen Ende der Haight Street beginnt. Hier gibt es künstliche Seen, einen japanischen Teegarten und das Museum für Naturgeschichte in der California Academy of Sciences, wo jeden Donnerstagabend Events stattfinden. Musik, Cocktails und ein Museum bei Nacht – gibt es hier!

Doch der Abend klingt auch gut bei einem Abendessen in Haight-Ashbury aus. Wie überall in San Francisco findet ihr hier Kulinarisches aus aller Welt: Bei „Sparrow“ gibt es leckere internationale Gerichte aus frischen, lokalen Zutaten in stilvollem Ambiente auf mittlerem Preisniveau. In dem kleinen Innenhof kann man sogar an einem frischen September-Abend draußen sitzen. Bei „Cha Cha Cha“ könnt ihr karibisches Essen probieren und im „Blue Front Deli & Café“ orientalisches. Anschließend solltet ihr noch auf ein lokales Bier in den „Magnolia Gastropub“ weiterziehen oder auf einen Cocktail ins hippe „Alembic“.

Susi Maier

Susi Maier

Susi Maier ist Reisebloggerin und schreibt auf www.blackdotswhitespots.com über ihre Reiseabenteuer. Sie mag Roadtrips und fährt gerne auf schnurgeraden Straßen durch endlose Weiten, mag lieber Berge als Meer sowie Erkundungen im Großstadtdschungel und schreckt auch vor Eisbergen und Schnee nicht zurück. Wenn sie nicht auf Reisen ist, lebt und arbeitet sie als freiberufliche Redakteurin, Bloggerin und Beraterin in Berlin.

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