Oaxaca de Juárez: Farbenpracht und Kunsthandwerk

Als ich in Oaxaca aus dem Bus steige, bin ich sofort überwältigt, wie bunt es hier ist. Die Hauswände haben die Farbe von Himbeersorbet, Granatapfelsaft und Minzblättern. Himmelblaue Fensterrahmen harmonieren perfekt mit pastellgelben Wänden. Bäumchen wachsen am Straßenrand, Kopfsteinpflaster ziert die Gassen, imposante Kirchtürme überragen die Dächer der Stadt.

Von Mexico City aus bin ich 6 Stunden hergefahren. Vom Terminal TAPO fahren mehrmals täglich Busse ab 220 Pesos (13 Euro). Je höher der Fahrpreis ist, desto höher ist auch der Komfort und desto kürzer die Fahrtzeit. Für die, die noch schneller reisen wollen, gibt es Flüge ab Mexiko City direkt nach Oaxaca.

Alle Sehenswürdigkeiten im Zentrum sind fußläufig erreichbar. Mein erster Anlaufpunkt ist die barocke Kirche Templo de Santo Domingo. Sie gilt als die prachtvollste der Stadt und wurde im 16. Jahrhundert gebaut. Ich habe selten so viel Prunk gesehen. Filigrane goldene Schnörkel zieren die gewölbten Decken. Tief beeindruckt schaue ich hinauf in einen Himmel aus Stein, Gold und Malerei.

Zurück auf dem Kirchplatz setze ich mich kurz auf eine Bank neben einem riesigen Agavenbeet. Schulkinder warten auf den Bus, Hausfrauen ruhen sich vom Einkaufen aus, Verkäufer schieben Churros, Zuckerwatte und Tacos auf kleinen Wagen energisch auf potenzielle Kunden zu. Rentner schauen unter breiten Hutkrempen, auf Spazierstöcke gelehnt, dem Treiben zu.

Ich laufe weiter zu den Märkten rund um den Zócalo, dem zentralen Platz der Stadt. Der Geruch von Mole, den berühmten mexikanischen Saucen, wechselt sich ab mit dem der Oaxaca-Schokolade, die hier frisch zubereitet wird. Marktfrauen schälen Drachenfrüchte, Mangos und Kaktusfeigen zu Obstsalaten, die weniger als 50 Cent kosten.

Marktgeschehen und Holztiere gegen Albträume

Oaxaca produziert die schönste Handwerkskunst in ganz Mexiko. Ihr findet sie in vielen Läden und Boutiquen der Altstadt, am günstigsten aber auf dem Mercado de Artesanías, dem Markt für Handwerkskunst (Straße General Ignacio Zaragoza). Selbst für die, die nichts kaufen wollen, ist der Markt ein besonderes Erlebnis und ideales Fotomotiv gleichzeitig. Ich laufe vorbei an Auslagen voller Ledertaschen, Sandalen, Kleidern, Tüchern und Töpferwaren. Kunstvoll gestickte Muster und filigrane Schnitzarbeiten zeugen von der Fingerfertigkeit der Einheimischen. Ihre Kultur, Mythen und Geschichten fließen in die Gestaltung jedes Kunstwerks ein.
Besonders angetan haben es mir die Alebrijes, bunte, holzgeschnitzte Tiere. Sie werden ins Schlafzimmer gestellt, um Albträume zu vertreiben. Deshalb sind so viele Drachen und zähnefletschende Raubtiere dabei. Ich kaufe eine breit grinsende Fliege, einen lila Kolibri und einen grün gepunkteten Hund zum Preis von jeweils 5 Euro.

Am nächsten Tag nehme ich den ersten Bus gegen 8:30 Uhr nach Monte Albán. Die Stätte ist ehemaliges religiöses Zentrum der Zapoteken, einem der mexikanischen Urvölker neben Azteken und Mayas. Genau wie Oaxacas Altstadt gehört auch Monte Albán zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Ein paar Blocks vom Zócalo entfernt (Kreuzung Francisco Javier Mina und Diaz Ordaz) fahren mehrmals täglich Kleinbusse. Hin- und Rückfahrt kosten 50 Pesos (3 Euro). Der Ticketverkäufer will mir für 200 Pesos ein Paket inklusive Guide verkaufen, aber ich bestehe auf den Bustickets. Wer einen qualifizierten Guide möchte, sollte ihn lieber direkt innerhalb der archäologischen Stätte buchen. In einer halben Stunde bringt mich der Bus direkt zum Eingang, hier bezahle ich noch mal 64 Pesos Eintritt.

Zwischen Pyramiden und Ballspielfeldern von 900 v. Chr.

Monte Albán (übersetzt: Weißer Berg) liegt 400 Meter über der Stadt, auf dem Weg zu den Bauten genieße ich die Aussicht über Oaxaca.

Auf Pyramiden hochzuklettern ist hier fast überall erlaubt. Oben angekommen, brauche ich eine Verschnaufpause, die Pyramiden sind riesig. Die Anstrengung wird sofort belohnt, ich habe einen Rundumblick auf alle Tempel, Grabhügel und Ballspielfelder. Ballspiele waren schon bei den Zapoteken feste Tradition.

Ich laufe weiter zu den gemeißelten Grabsteinen. Auch sie sind handwerkliche Meisterwerke, dieses Geschick muss sich in Oaxaca über viele Generationen vererbt haben.

Ich bin froh, Sonnencreme und Hut mitgebracht zu haben, auf dem Gelände gibt es nur vereinzelt Bäume. Ich flüchte unter einen davon und schmiede Reisepläne für die nächsten Tage. Morgen will ich nach Hierve el agua, einem versteinerten Wasserfall. Wenn ich länger Zeit hätte, würde ich noch ein Stück weiter und die Strände und Küstennationalparks erkunden, Schildkröten beim Schlüpfen zusehen und nachts in einer Lagune voller Leuchtplankton schwimmen.

Abends genieße ich ein Molegericht auf der Terrasse des Mezquite Restaurants im historischen Zentrum (Calle de Manuel García Vigil). Essen, Getränk und ein traditioneller Mezcal (Agavenschnaps) kosten hier nicht mehr als 10 Euro.

Caroline Lohrmann

Caroline Lohrmann

Vor meiner ersten Reise wurde ich von allen gewarnt. Ich sei zu unselbstständig, zu naiv, zu schusselig, zum Reisen völlig ungeeignet. In manchen Bereichen stimmt das vielleicht, meine Augen werden in Flugzeugen zu roten verquollenen Sehschlitzen, ich kann nicht im Sitzen schlafen, ich bin manchmal vergesslich. Aber je öfter mir gesagt wurde, ich sei zu Hause am besten aufgehoben, desto mehr gab es etwas in mir, das mich immer wieder raus in die Welt zog. Und dieses Etwas hatte Recht. Denn Reisen macht mich nicht nur sehr glücklich, es ist auch eine wunderbare Lebensschule. In jedem Land, in das ich reise, führe ich ein Leben wie auf Probe. Ich kann ausprobieren, ob ich als Elefantenpflegerin in Thailand glücklich würde, als Pferdezüchterin in Argentinien, als Dorfschullehrerin in Afrika. Für mich ist das der beste Weg, mit einer Welt der 1000 Möglichkeiten zurecht zu kommen. Wieso soll ich mich direkt entscheiden, wenn ich doch erstmal alles machen kann?

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