Galle, Unawatuna und Mirissa – Sonnenuntergangs-Romantik und Entspannung an Sri Lankas Südküste

Galles Altstadt liegt auf einer Halbinsel im Südosten Sri Lankas, geschützt vom Meer und den Mauern des Forts Galle. Im16. Jahrhundert wurde die Stadt erst von den Portugiesen, dann von den Holländern erobert. Sie war damals ein wichtiger Hafen und idealer Handelsplatz für Händler aus Asien und dem Mittleren Osten.

Das holländische Fort ist gut erhalten und Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Ins Innere gelange ich durch ein riesiges Holztor: Hübsche Kolonialhäuser empfangen mich, alte Menschen dösen auf hölzernen Veranden. Es ist angenehm ruhig, Hupen ist innerhalb derAltstadtmauern verboten. Die Arkaden, die kunstvoll geschnitzten Holztüren, die Aufgeräumtheit der Stadt geben mir kurz das Gefühl, in Europa zu sein. Nur wenigen Häusern sehe ich die Spuren des Tsunami an, der hier 2004 wütete.

Schulkinder in weißen Uniformen ziehen durch die Straßen. Frauen tragen bunte Saris, die in der Sonne glitzern. Motorisierte Rikschas, die hier liebevoll Tuk Tuks genannt werden, holpern überdas Kopfsteinpflaster der engen Straßen. Im Schatten der Mangobäume und Bananenstauden bieten Straßenhändler riesige orangene Kokosnüsse an. Ich kaufe eine für umgerechnet 50 Cent, sie hält mich den halben Tag satt.

Spaziergang über den Festungswall

Ich spaziere in Richtung Festung. Von der äußersten Mauer aus schaue ich hinunter aufs Meer, sehe Schildkröten flink durch die Wellen des glasklaren Wassers gleiten. Rund um die Altstadt verläuft ein Fußweg über den Festungswall, er führt mich vorbei an spektakulären Aussichten aufs Meer bis zum Leuchtturm. Interessierte Einheimische verwickeln mich in Gespräche, kichernde Mädchen möchten Fotos von und mit mir machen, Frauen schützen sich mit bunten Schirmen vor der Sonne.

Von hier aus laufe ich zurück ins Innere der Altstadt. Sie ist so klein, dass ich mich nicht verlaufen kann und alles schnell wiederfinde. Besonders beeindruckt mich die Church Street. Hier reihen sich alte Villen an Galerien und Kunstgewerbeläden. In vielen der Läden kann ich beobachten, wie Silberschmuck von Hand hergestellt wird und wie Schmucksteinchen in hübsche Formen geschliffen werden.

Galle selbst hat keine schönen Strände, zum Baden eignet sich das wenige Minuten Busfahrt entfernte Unawatuna besser. Seichte, türkisfarbene Buchten laden hier zum Entspannen ein, andere Strandabschnitte sind ideal zum Surfen. Strandcafés und Restaurants bieten schattige Plätze während der Mittagssonne. Dschungelpfade führen zu abgelegenen Stränden im Wald.

Traditionelles Stelzenfischen in Ahangama

Nach ein bisschen Sonnenbaden nehme ich den Bus in Richtung Ahangama, hier will ich die Stelzenfischer, die Stiltfishermen sehen. Ich bitte den Busfahrer, mir an der richtigen Stelle Bescheid zu sagen, und sehe die Fischer direkt beim Aussteigen. Sie sitzen auf hölzernen Stangen, die im seichten Wasser stehen, und fischen mit einer Angel in der Brandung. Die Männer lassen sich auch durch meine unzähligen Fotos nicht beirren.

Seafood und Strandspaziergang in Mirissa

Mein letztes Ziel für heute ist Mirissa, ein kleiner Strandort, bekannt für seine spektakulären Sonnenuntergänge und die Wale, die ihr hier vor der Küste beobachten könnt. Ich stelle mich wieder an die Hauptstraße und warte auf einen Bus. Die Busse fahren zahlreich, denn die Straße verbindet die Städte Colombo und Matara, Mirissa liegt auf dem Weg. Insgesamt braucht der Bus von Galle nach Mirissa eine Stunde. Umgerechnet kostet eine Fahrt 50 Cent, allerdings sind die Busse sehr voll und es gibt selten freie Sitzplätze. Eine praktische Alternative ist ein Taxi, es kostet etwa 20 Euro für eine Strecke und hält natürlich spontan an allen Orten, an denen ihr Fotos machen möchtet.

In Mirissa erwartet mich ein breiter, palmengesäumter Sandstrand. Strandcafés spielen leise Musik, Paare flanieren am Wasser, Wellen rauschen. Über weichen Sand laufe zur Giragala Halbinsel, einem Felsen im Meer. Von oben habe ich beste Sicht und kann wunderbar Fotos machen.

Inzwischen ist es Abend und ich suche mir ein Restaurant. Meine Wahl fällt auf das „Zephyr“ direkt am Strand. Der Fischfang des Tages liegt auf einer Theke vor dem Restaurant, ich kann mir mein Abendessen selbst aussuchen. Bezahlt wird nach Gewicht, bei mir sind es mit Getränk und Beilagen knapp 8 Euro. Ich bin froh, am Geldautomaten in Galle noch einmal abgehoben zuhaben, in Mirissa gibt es keine Möglichkeit, an Bargeld zu kommen. Während ich auf das Essen warte, höre ich dem Rauschen der Palmblätter zu und genieße das Farbenspiel des Himmels in tiefem Pink, Rot und Orange.

Caroline Lohrmann

Caroline Lohrmann

Vor meiner ersten Reise wurde ich von allen gewarnt. Ich sei zu unselbstständig, zu naiv, zu schusselig, zum Reisen völlig ungeeignet. In manchen Bereichen stimmt das vielleicht, meine Augen werden in Flugzeugen zu roten verquollenen Sehschlitzen, ich kann nicht im Sitzen schlafen, ich bin manchmal vergesslich. Aber je öfter mir gesagt wurde, ich sei zu Hause am besten aufgehoben, desto mehr gab es etwas in mir, das mich immer wieder raus in die Welt zog. Und dieses Etwas hatte Recht. Denn Reisen macht mich nicht nur sehr glücklich, es ist auch eine wunderbare Lebensschule. In jedem Land, in das ich reise, führe ich ein Leben wie auf Probe. Ich kann ausprobieren, ob ich als Elefantenpflegerin in Thailand glücklich würde, als Pferdezüchterin in Argentinien, als Dorfschullehrerin in Afrika. Für mich ist das der beste Weg, mit einer Welt der 1000 Möglichkeiten zurecht zu kommen. Wieso soll ich mich direkt entscheiden, wenn ich doch erstmal alles machen kann?