Dresden zu Fuß in zwei Stunden

Von der Semperoper sind es nur wenige Minuten zum Zwinger, von der Brühlschen Terrasse nur wenige Meter zur Frauenkirche. Dresdens Sehenswürdigkeiten liegen so nahe beieinander, dass ein entspannter Stadtspaziergang durch Sachsens Landeshauptstadt beinahe Pflicht ist. Begleiten Sie uns. Starten Sie mit einer Zeitreise in die DDR, schlendern Sie über die Elbwiesen und beschließen Sie Ihre Tour durch Dresden mit einer Märchenlesung in einer ehemaligen Fabrik, die aussieht wie eine Moschee.

Zum Start eine Reise zurück in die „Welt der DDR“

Ehe Sie sich für Ihren Spaziergang durch Dresden auf den Weg in Richtung Semperoper und Frauenkirche machen, besteigen Sie kurz eine Zeitkapsel: entweder die Tram 6 oder die Linie 11 zum Albertplatz. Dort angekommen, tauchen Sie direkt ein in die „Welt der DDR“. Denn mit 60.000 Exponaten schenkt Ihnen das Museum (Eintritt: 9 Euro | Ermäßigt 7 Euro | Kinder bis 6 Jahre frei) einen tiefen Einblick in die Zeit von Wartburg und Trabbi.
Sie besichtigen einen originalgetreuen Friseursalon, ein Klassenzimmer, zudem eine Wohnstube aus DDR-Zeiten, Musikinstrumente und Elektronikgeräte. Fotowände und kurze Texte setzen die Exponate chronologisch in den historischen Kontext. Sind Sie schließlich beim Mauerfall angelangt, verlassen Sie die DDR und tauchen nun ein in das heutige Dresden. Einmal quer über den Albertplatz erreichen Sie die Hauptstraße. Laufen Sie sie geradeaus bis Sie zum Neustädter Markt gelangen.

Licht am Ende des Tunnels? Dresdens Goldener Reiter!

Direkt vor Ihnen bilden Bäume einen natürlichen Korridor: Tauchen Sie ein. Links und rechts haben sie sich an einem schmalen Weg aus Kopfsteinpflaster aufgebaut und führen exakt auf Ihr nächstes Ziel zu. Wie das Licht am Ende des Tunnels leuchtet am Ende der Allee ein goldener Punkt. Immer größer wird er – und bald erkennen Sie die Silhouette des Goldenen Reiters. Bereits seit 1736 symbolisiert er den Ritt des sächsischen Kurfürsten und polnischen Königs August des Starken in Richtung Polen. Was August so besonders für Dresden macht? Ganz einfach: Gemeinsam mit seinem Sohn Friedrich August II. ist er für all die prachtvollen Bauwerke und Sammlungen verantwortlich, die Dresden den Spitznamen „Elbflorenz“ einbrachten.

Ausspannen im Palaisgarten

Blicken Sie nun links am Goldenen Reiter vorbei, sehen Sie die Augustusbrücke, dahinter bereits die Silhouette des Schlossplatzes. Doch Geduld. Ihr Spaziergang durch Dresden führt Sie hinter dem Neustädter Markt zunächst rechts die Große Meißner Straße entlang. Entscheiden Sie sich für die linke Seite, denn nach wenigen Minuten biegen Sie auch schon wieder links ab. Nachdem Sie gerade August den Starken kennengelernt haben, sehen Sie nun sein ehemaliges Porzellanschloss vor sich. Heute ist es dank der japanisch anmutenden Dachkonstruktion als Japanisches Palais bekannt.
Natürlich könnten Sie nun Dresdens Museum für Völkerkunde im Inneren des beeindruckenden Baus besuchen. Andererseits sind Sie gekommen, um Dresden zu Fuß zu erkunden. Also besichtigen Sie nur die beeindruckende Fassade und spazieren danach durch den kleinen Park, den Palaisgarten. Sie sehen eine freie Bank. Nehmen Sie ruhig kurz Platz. Die Kinder rennen ein wenig herum, Sie genießen die Szenerie direkt an der Elbe.

Über Elbwiesen und Augustusbrücke hinein in Dresdens Altstadt

Lassen Sie sich während der Umbauphase übrigens nicht von den Baufahrzeugen aus der Ruhe bringen. Zu Fuß können Sie die Augustusbrücke immer noch überqueren. So erreichen Sie ganz entspannt den Schlossplatz, wo Sie natürlich das Dresdner Schloss sehen. Dazu den Georgenbau, der bereits im 15. Jahrhundert erbaut wurde und damit der älteste Teil des immer wieder veränderten Schlosses ist. Sie entdecken Neorenaissance-Bauten wie das Georgentor, zudem die Katholische Hofkirche, das einzige Barockbauwerk des Schlossplatzes. Es ist über die Chiaverigasse, die nach Gaetano Chiaveri, dem Architekten der Hofkirche benannt ist, mit dem Schloss verbunden.

Über die Brühlsche Terrasse zum Brühlschen Garten

Links vom Georgenbau sehen Sie ein überdimensionales Bild. Kommen Sie näher. Denn erst bei näherer Betrachtung erkennen Sie, dass es sich nicht einfach um Farbe auf einer historischen Fassade handelt. Vielmehr haben Sie nun den Fürstenzug, das mit 101 Metern längste Porzellanbild der Welt erreicht. Dass in Dresden dafür nur feinstes Meißner Porzellan verwendet wurde, versteht sich von selbst. Laufen Sie also die Augustusstraße ab, kehren Sie am Ende des Fürstenzugs aber wieder in Richtung Schlossplatz um.
Nun geht es zurück zur Treppe rechts am Fuße der Augustusbrücke. Sie führt Sie direkt auf die berühmte Brühlsche Terrasse. Folgen Sie ihr. Auf 500 Metern laufen Sie direkt am Elbufer den „Balkon Europas“, so der Spitzname der Brühlschen Terrasse, entlang. Besichtigen Sie auch die Festung, die unterirdisch zu liegen scheint.

Durch den Brühlschen Garten zum Albertinum

Am Ende der Terrasse erreichen Sie auf Ihrem Spaziergang durch Dresden den Brühlschen Garten. Laub statt Beton. Grün statt Grau. Drehen Sie eine Runde durch den kleinen Park und widmen Sie sich danach dem Albertinum. Nach Umbauarbeiten 2010 neu eröffnet, beheimatet das ehemalige Zeughaus von unter anderem König Albert von Sachsen – dem Namensgeber – heute die Galerie der Meister sowie die Skulpturensammlung der Staatlichen Kunstsammlung Dresden.

Das Wahrzeichen: die Frauenkirche

Über den Tzschirnerplatz, der wie der Neumarkt Schauplatz des Dresdner Maiaufstands von 1849 war, erreichen Sie per Rechtsknick nun die Rampische Straße, den Korridor zu einer der größten Sehenswürdigkeiten Dresdens. Längst ist ihre Kuppel nicht mehr zu übersehen. Folgen Sie ihr also. So stehen Sie bald direkt vor der beeindruckenden Frauenkirche. Nach ihrer Zerstörung während der Bombenangriffe auf Dresden gegen Ende des Zweiten Weltkriegs diente ihre Ruine über Jahrzehnte als Mahnmal für die Schrecken des Krieges – bis 1994 schließlich der Grundstein für den Wiederaufbau gelegt wurde. Elf Jahre wurde gebaut, ehe 2005 der festliche Weihegottesdienst stattfinden konnte.
Haben Sie jedoch nicht nur Augen für die barocke Kirche mit ihrer imposanten Kuppel, erkunden Sie auch die übrigen Gebäude und Sehenswürdigkeiten des Dresdner Neumarkts. Sehen Sie sich das Martin-Luther-Denkmal an, laufen Sie zur beeindruckenden Statue von Friedrich August II. König von Sachsen und erkunden Sie den Friedensbrunnen, einen der ältesten Brunnen Dresdens.

Über den Altmarkt zur Kreuzkirche

Heute ist die evangelische Hauptkirche Dresdens mit über 3.000 Sitzplätzen zudem die größte Kirche Sachsens. Innen finden Sie seit dem Wiederaufbau Jugendstilelemente, zudem eine perfekte Akustik für die Musik. Denn als Heimat des berühmten Kreuzchors zählt die Kreuzkirche zu den wichtigsten Konzertorten Dresdens. Sogar die Dresdner Philharmonie spielt in den historischen Räumen. Vielleicht kommen Sie abends für ein Konzert ja zurück.

Schokoladenträume in Camondas Schokoladen-Kontor

Zunächst gönnen Sie sich und den Kindern jedoch etwas. Zeit für eine Pause. Zeit für Schokolade. Dafür überqueren Sie erneut die Wilsdruffer Straße und folgen danach der Schloßstraße. Überall ragen historische Türme über Dresdens Gebäuden in den Himmel. Sie sehen Stuck, etwas Fachwerk. Nach wenigen Metern spazieren Sie zudem auf Kopfsteinpflaster. Einige Meter später taucht links auch noch das Residenzschloss auf.
Es muss warten. Ihr Ziel liegt in der Schloßstraße 22. Denn dort bietet Ihnen Camondas Schokoladen-Kontor nicht weniger als die – laut eigener Aussage – beste Schokolade der Welt. Pralinen. Riegel. Tafeln. Probieren Sie sich durch die Welt der Schokolade. Sogar täuschend echte Schokozigarren gibt es. Das kleine Café des Ladens serviert Ihnen heiße Schokoladen in allen vorstellbaren Variationen. Zudem stellt das Camondas selbst Schokoladeneis her. Probieren unbedingt empfohlen.

Das Grüne Gewölbe im Residenzschloss

Erst wenn Sie das Schokoladenparadies bis zum Letzten ausgekostet haben, ist das Residenzschloss an der Reihe. Dafür laufen Sie den Taschenberg entlang. Durch einen Torbogen geht es hindurch, schon stehen Sie auf dem nächsten Prachtplatz. Der wunderschöne Renaissancebau zu Ihrer Rechten ist das Residenzschloss. Auch das ehemalige Machtzentrum der sächsischen Kurfürsten und Könige brannte im Anschluss an die Luftangriffe während des Zweiten Weltkriegs bis auf seine Grundmauern nieder, wurde ab 1985 als Museumskomplex aber neu aufgebaut.

Der Zwinger

Das imposante Gebäude gegenüber des Residenzschlosses ist Ihnen sicher bereits bei Ihrer Ankunft am Platz aufgefallen. Klar kommt es Ihnen bekannt vor. Immerhin zählt der Zwinger zu den berühmtesten Bauwerken Dresdens. Eigentlich handelt es sich sogar um einen Gebäudekomplex im Stile des Barock. Im 18. Jahrhundert als Orangerie gebaut, finden Sie im Zwinger heute den Mathematisch-Physikalischen Salon, die Gemäldegalerie Alte Meister sowie die Porzellansammlung.
Für Ihren Spaziergang durch Dresden widmen Sie sich jedoch vor allem dem Äußeren des Zwingers. Dort sehen Sie schnell, weshalb das Bauwerk zu den Wahrzeichen Dresdens gehört. Mit Säulen geschmückte Galerien ziehen sich durch das gesamte Areal. Sie sehen prachtvolle Springbrunnen, kunstvolle Pavillons. Es gibt keine Grenzen. Denn der gesamte Zwingerhof ist frei begehbar. Zu jeder viertel, halben, dreiviertel und vollen Stunde schauen Sie sich am Stadtpavillon zudem das berühmte Glockenspiel des Zwingers an.

Dresdens musikalisches Zentrum: die Semperoper

Sie haben es längst bemerkt. Ein riesiger Vorteil eines Spaziergangs durch Dresden sind die kurzen Wege. Gerade noch Residenzschloss, jetzt schon Zwinger. Gerade noch Zwinger, nun bereits Semperoper. Verlassen Sie den Zwingergarten am östlichen Ausgang, stehen Sie direkt auf dem Theaterplatz, direkt vor der Semperoper. Musikalisch beeindrucken dort die Sächsische Staatskapelle, Symphoniekonzerte, Opern- und Ballettaufführungen, optisch die einmalige Architektur von Gottfried Semper, der für die heutige Form der Oper verantwortlich ist, obwohl er den entscheidenden zweiten Bau Ende des 19. Jahrhunderts nur aus der Ferne anleitete. Denn als Mitglied des Maiaufstand durfte Semper Sachsen nicht mehr betreten.
Dennoch wurde die Oper nach dem Zweiten Weltkrieg gemäß seiner Pläne wieder aufgebaut. Das prunkvolle Innere folgt dabei dem Vorbild der italienischen Renaissance. Außen finden Sie Statuen von Friedrich Schiller und Johann Wolfgang von Goethe, von Sophokles und William Shakespeare. Auch eine Büste Sempers selbst schmückt die Fassade. Untersuchen Sie sie also genau, ehe Sie noch einmal den Zwinger durchqueren, zwischen Herzogin Garten und Zwingerhof die Ostra-Allee entlang laufen.

Märchen aus 1001 Nacht im Yenidze

Erneut weist Ihnen ein Kuppel den Weg, diesmal jedoch geschmückt von einem Minarett. Zum Abschluss Ihres Dresden-Spaziergangs erkunden Sie gleich nämlich ein ganz spezielles Bauwerk. Denn so sehr das Yenidze auch einer Moschee ähneln mag, ursprünglich diente das Gebäude dem orientalischen Tabak- und Zigarettenkonzern Yenidze von Unternehmer Hugo Zietz als Zigarettenfabrik. Heute ist es ein Bürogebäude. Unter der gläsernen Kuppel finden zudem Märchenlesungen statt. Und welcher Ort wäre dafür besser geeignet, als eine Kuppel, deren Inneres wirkt, als entstamme es 1001 Nacht.
Magazin Redaktion

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