Pauschalurlaub.
Diese Bezeichnung für eine Reise mit allem Komfort klang in unseren Ohren nicht nur schon immer ziemlich eingestaubt, sondern irgendwie auch so, als hätte man seine besten Zeiten als ungebundenes Weltenentdeckerpärchen längst hinter sich gelassen. Vorbei das schöne Leben, als wir noch gemeinsam mit dem Rucksack durch die Lande zogen – den Wind im Gesicht –  und von der Welt sehen konnten, was wir wollten. Mein Mann und ich, wir haben jetzt zwei kleine Kinder. Sag Winke-Winke zur aufregenden Backpackertour!

Nur: Die nächsten 18 Jahre ausschließlich Kinderclub und Bauchpinseln in einem Hotelgebäudekomplex ist ja auch keine Option, richtig? Zumindest nicht jedes Mal.
Und bis uns unsere beiden Jungs eines Tages auf eigenen Wanderfüßen kilometerweit und nur mit einem Rucksack auf dem Rücken durch einsame Dünen, abenteuerliche Urwälder und beeindruckende Gebirgsketten begleiten können, müssen wir uns eben etwas anderes einfallen lassen.

Im März diesen Jahres starteten wir deswegen einen ernstgemeinten Versuch, den Pauschalurlaub zum Totalurlaub zu verwandeln. Was können wir alles unternehmen mit einem unberechenbaren Ein- und einem nicht weniger unberechenbaren Sechsjährigen im Gepäck?

Unser Ziel: Zwei Wochen Thailand. Und unser zweites Ziel: Ungehetzt, aber bestimmt viele schöne Erinnerungen für uns als Familie zu sammeln wie irgendwie möglich. Trotz oder gerade weil wir eigentlich einen Pauschalurlaub buchten.

Ich meine, Pauschalreisen sind komfortabel und entspannend, daran gibt es nichts auszusetzen oder infrage zu stellen. Aber die echten Seelenfotos, die Marmeladenglasmomente, die wirklich lange nachwirkenden Erinnerungen an eine Zeit in einem fremden Land liegen eben nicht nur in der Unterkunft oder werden von einem Kellner an den Tisch serviert. Man muss schon auch rausgehen, um sie zu finden und sie einzusammeln.

Ehe wir also Gefahr liefen, unsere zwei Wochen in Phuket doch vor lauter Seelenbaumelei ausschließlich im Hotel zu verbringen, begannen wir mit unseren Vorbereitungen auf einen kindgerechten Entdeckerurlaub schon zwei Wochen vor Abflug, nämlich in Form einer ungezwungenen Liste mit potentiellen Erlebnisgiganten – zusammengetragen mithilfe des Internets und ausgegraben aus Reiseberichten, Recherchearbeit auf dem Neckermann-Blog während des Tatorts und Umfragen im reisebegeisterten Umfeld: Wer war schon da, wer kann etwas empfehlen?

Und so stolperten wir nicht nur über Tourimagnete wie den Big Buddha oder den Phuket Market sondern auch über das Trickeye Museum, das Upside Down House, lasen von der James Bond Insel – und gaben dem Rest Raum für zufällige Entdeckungen vor Ort.

Das Schöne an einem Pauschalurlaub, pardon, Totalurlaub als Familie ist ja nämlich, dass man nichts davon machen muss, wenn einer oder mehrere Angehörige es nicht machen wollen oder es die aktuelle Tagesform nicht erlaubt.
Diese Liste galt viel eher als eine Art locker aufgeschlagener Serviervorschlag für uns, eingerahmt in einen Pauschalurlaub, der uns die (mit Kindern nötige) Sicherheit gab:
Keine verpassten Anschlussflüge, eine schnellere medizinische Versorgung im Falle eines Falles, regelmäßige und ausgedehnte Essenszeiten und last but not least: Die Möglichkeit, auf alle unterschiedlichen Befindlichkeiten der Kids reagieren zu können.
Denn, Ihr wisst es selbst: Mit Kindern ist absolut nichts mehr einhundertprozentig planbar.

Abschließend also noch eine kleine Liste mit Tipps für Pauschal-, äh, Totalfernreisen mit Kindern:

– Die Buchung eines Direktflugs – am besten über Nacht – hat uns wahrscheinlich unwahrscheinlich viel Stress erspart. Die Kinder pennen durch, kommen zum Start nicht aus dem Rhythmus und die Chance, dass sie den gesamten Flug über durchschlafen, ist ziemlich hoch.

– Kinder unter zwei Jahren haben übrigens keinen Anspruch auf einen eigenen Sitzplatz im Flugzeug und müssen in der Regel auf dem Schoß eines Erwachsenen befördert werden. Deswegen: fragt vorher bei der Airline nach und bucht Euch gegebenenfalls einen weiteren Platz hinzu. Denn wer will schon 12 Stunden lang einen Kasten Bier auf seinem Schoß balancieren?

– Was uns bei der Hotelauswahl unwahrscheinlich half, waren echte Urlaubsfotos und -berichte auf etablierten Vergleichsportalseiten. Bei einigen lässt sich sogar die Reisezielgruppe definieren; in unserem Falle haben wir uns ausschließlich auf Rezensionen von Familien mit Kindern verlassen und wurden nicht enttäuscht.

– Klingelt vor Reiseantritt rechtzeitig bei Eurem Haus- oder Kinderarzt durch und fragt, welche Impfungen in welchen Breitengraden nötig sind. Wenn wieder mal keiner ran geht, schaut auf der Seite vom Auswärtigen Amt oder WHO unter „Medizinische Hinweise“ des jeweiligen Reiselandes nach. (Wir vier haben uns vorher gegen Hepatitis pieksen lassen.)

– Eine Liste von potentiellen Reisehighlights lässt sich wunderbar und entspannt von der heimischen Couch aus zusammenstellen. Dabei gilt aber sowieso und dreimal längst: Es ist ein großer Plan voller Möglichkeiten – aber nichts davon muss abgehakt werden.
Und: Wir taten gut daran, mindestens 50% von Zeit und Raum vor Ort für zufällige Entdeckungen frei zu lassen. (Durch ein belauschtes Gespräch vom Nachbartisch beim Abendessen haben wir beispielsweise einen richtig, richtig tollen Viewpoint entdeckt, von dem wir zuvor nie gehört hatten.)

Für alle, die jetzt noch zweifeln, kommt hier flink ein zusätzlicher überzeugender Spontispruch auf den Bildschirm geflattert, nämlich:
Good things come to those who book flights – was übersetzt so viel heißt wie:
Gebt Euch einen Ruck und macht’s einfach. Ihr werdet es wirklich, wirklich nicht bereuen!

Bei Fragen, für tolle Moves und lustige Zitate gibt es unten das Kommentarfeld. Wir sind da. Bevor wir wieder weg sind. 😉