Zentralamerika-Geheimtipp: Kultur & Natur in Nicaragua

von Sandra | mehr Artikel von | 4. August 2014 | Rundreisen | Keine Kommentare

Wer an Zentralamerika denkt, dem fällt vermutlich zuerst Costa Rica ein, ein Land von unglaublicher Naturvielfalt und einem großen Artenreichtum. Eventuell denkt man auch noch an Panama mit seinem weltbekannten Kanal und der für die Region einmaligen Skyline. Aber von Nicaragua wissen wahrscheinlich eher wenige, welche kulturellen Highlights und Naturschätze das größte Land Zentralamerikas zu bieten hat.

Auf zwei Reisen in der Region hatte ich die Möglichkeit, Nicaragua zu entdecken. Ausufernder Massentourismus ist hier – glücklicherweise, muss man sagen – noch nicht angekommen. Die Ursprünglichkeit Nicaraguas macht den besonderen Charme des Landes aus.

Das Angebot an Unterkünften und touristischen Angeboten in Nicaragua braucht sich aber nicht zu verstecken. Von kleinen, gemütlichen Hostels bis hin zu schicken Hotels ist für jeden Geschmack und Geldbeutel etwas dabei. Auch das Straßennetz ist in einem überraschend guten Zustand und macht das Reisen durch das Land recht angenehm. Übrigens gilt Nicaragua mittlerweile allgemeinhin als sicherstes Land in Zentralamerika.

Anbei eine kleine Übersicht über einen Teil meiner Reisestationen:

Kolonialstadt León

Die Kolonialstadt León ist nicht zuletzt aufgrund ihrer beeindruckenden Kathedrale einen Besuch wert. Sie ist nicht nur die größte Kathedrale in Zentralamerika, sondern seit 2011 auch UNESCO-Weltkulturerbe. Ich hatte von anderen Reisenden den Tipp bekommen, dass man vom Dach der Kathedrale einen tollen Blick über die Stadt und auf die umliegenden Vulkane genießen könne. Und tatsächlich, der kleine „Aufstieg“ lohnt sich!
Wer den Sonnenuntergang am Strand erleben möchte, dem sei das kleine Strandrestaurant Suyapa empfohlen, das ca. 20-30 Minuten (mit dem Auto) von León entfernt ist.

Kathedrale von León

Kathedrale von León

Kathedrale von León

Kathedrale von León

Strand in der Nähe von León (Suyapa Beach/Las Peñitas)

Volcano Boarding am Cerro Negro

Der Cerro Negro ist ein aktiver Vulkan unweit von León, den man nicht nur besteigen kann, sondern der auch Anziehungspunkt für abenteuerlustige Besucher ist. Der Cerro Negro ist nämlich – soweit mir bekannt – der einzige Ort der Welt, wo man Volcano Boarding betreiben kann. Auf einem Holzboard, das man trotz z.T. sehr starkem Wind natürlich auch erst mal über kleinere und größere Vulkangesteinbrocken hochtragen muss, geht es wahlweise sitzend oder stehend (sitzend ist meist einfacher und schneller) in rasanter Geschwindigkeit das Lavageröll hinunter.

Oben angekommen – mit Blick auf den steilen Abhang – dachte ich erst, der Veranstalter der Tour wolle uns veräppeln. DA könne man doch keine Menschen runterboarden lassen, so steil wie das war. Es war aber kein Witz, sondern tatsächlich der Startpunkt. Also hieß es: Schutzkleidung an und runter. Das Ganze als Extremsport zu bezeichnen finde ich zwar etwas übertrieben (solange man nicht den aktuellen Geschwindigkeitsrekord von ca. 89 km/h knacken will), aber einen Verletzten gab es in unserer Gruppe leider trotzdem. Es ist eben doch kein weicher Sand oder Pulverschnee, auf den man im Zweifelsfall fällt, sondern scharfkantiges Vulkangestein.

Cerro Negro

Cerro Negro

Cerro Negro

Cerro Negro

Masaya

Im Parque Nacional Volcan Masaya mit den Vulkanen Masaya und Nindirí haben wir uns in einem kleinen Museum über die Entstehung der Vulkane Nicaraguas sowie die Flora und Fauna des Nationalparks informiert, bevor es dann hoch zum Krater des Vulkans Masaya ging. Von der Abbruchkante aus kann man in den ca. 200m tiefen Krater des noch aktiven Vulkans blicken. Rauch schränkt zwar immer wieder die Sicht ein, aber gerade das macht den Besuch des Vulkans zu einem geheimnisvollen und beeindruckenden Erlebnis. Aufgrund der schwefelhaltigen Dämpfe, die aus dem Vulkan emporsteigen, wurde uns übrigens empfohlen, uns nicht länger als 15 Minuten am Krater aufzuhalten.

In der kleinen Stadt Masaya gibt es einen bekannten Handwerksmarkt, den Mercado Viejo, auf dem man von Hängematten (bekanntes Produkt aus Masaya) über Tonvasen und Holzschnitzereien bis hin zu Schmuck ein buntes Sammelsurium an potentiellen Souvenirs findet. Hier lohnt sich übrigens auch der Besuch des Obstsaft-Standes „Batidos Doña Coco“, an dem man aus einer großen Auswahl an bekannten und weniger bekannten Früchten das Obst für seinen Drink frei wählen kann. Einfach lecker! 🙂

Vulkan Masaya

Vulkan Masaya

Kratersee Laguna de Apoyo

Der blaue See der Laguna de Apoyo befindet sich im Krater eines erloschenen Vulkans unterhalb des kleinen Ortes Catarina. Vom Restaurant Carolina in Catarina aus hat man einen wundervollen Blick über den Kratersee! Und hier kann man – wie übrigens in vielen Restaurants in Nicaragua – sehr gutes Rindersteak essen.

Laguna de Apoyo

Laguna de Apoyo

Granada: Kolonialstadt am Fuße des Mombachos

Die bunte und entspannte Kolonialstadt Granada am Fuße des Mombachos gehört neben León zu den bekanntesten Städten Nicaraguas und ist meiner Meinung nach die schönste Stadt des Landes. Direkt am beliebten Parque Central, auf dem neben kleinen Snacks auch ein paar Souvenirs verkauft werden, erstrahlt die berühmte Kathedrale Granadas in ihrem Glanz.

In Granada lässt es sich herrlich das Treiben auf den Straßen und in den kleinen Gassen beobachten. Hier warten zahlreiche Kutschfahrer auf Kundschaft, dort Einheimische auf einen ohnehin schon vollen Chicken-Bus, hier wird allerlei Obst und Gemüse verkauft, dort studieren Touristen einen Stadtplan und suchen ihre nächste Station… sich einfach in ein kleines Straßenlokal zu setzen und das Leben in der farbenfrohen Stadt zu beobachten kann etwas Herrliches sein.

Direkt neben der Kathedrale führt die Calle La Calzada entlang, auf der sich Bars, Restaurants und Hotels abwechseln. Abends spielt sich das Leben Granadas hier auf der „Touristenstraße“ ab, werden kleine Souvernirstände aufgeschlagen und führen Straßenkünstler kleine Shows auf. Der Rest der Stadt scheint dann bereits zu schlafen.

Läuft man die Calzada immer weiter geradeaus stößt man ans Ufer des Nicaragua-Sees (Mittelamerikas größter Binnensee), den man per Boot erkunden kann. Diverse Anbieter bringen Gäste zu den Isletas de Granada, ein Archipel aus ca. 360 kleinen Inseln, die durch einen Ausbruch des Vulkans Mombacho entstanden sind. Unsere Tour dauerte ca. eine Stunde und führte an zahlreichen Inseln vorbei, auf denen z.T. sehr herrschaftliche Häuser thronen.

Kirchen gibt es in Granada viele, aber neben der Kathedrale und dem San Francisco Konvent mit seinem Museum, lohnt sich ein Besuch der Kirche La Merced – insbesondere zum Sonnenuntergang, denn vom Glockenturm der Kirche aus hat man zur einen Seite einen tollen Blick auf die Kathedrale und zur anderen Seite geht die Sonne über Granada unter.

Wer sehen möchte, wie Zigarren hergestellt werden, dem sei der Besuch der Zigarrenfabrik Doña Elba Cigars empfohlen, wo schon Arnold Schwarzenegger die ein oder andere Zigarre geraucht hat. Schokoladen-Freunde dagegen kommen beim Besuch des Schokoladenmuseums Granadas auf ihre Kosten.

Zu guter Letzt sei noch ein kurzer Abstecher zur Casa de los Tres Mundos empfohlen. Die Stiftung wurde einst u.A. vom österreichischen Schauspieler Dietmar Schönherr gegründet und hat sich der Förderung von Kulturprojekten sowie der Ausbildung von Kindern und Jugendlichen verschrieben. Außerdem setzt sich die Stiftung in diversen Projekten für Armutsbekämpfung durch Hilfe zur Selbsthilfe ein.

Kathedrale von Granada

Kathedrale von Granada

Granada

Granada

Granada

Granada

Sonnenuntergang in Granada / Blick von der Kirche La Merced

Sonnenuntergang in Granada / Blick von der Kirche La Merced

Wanderung auf den Vulkan Mombacho

Ein sehr lohnenswerter Ausflug von Granada aus ist eine Wanderung auf den Vulkan Mombacho. Die Touren starten am Besucherzentrum und es stehen mehrere Routen zur Wahl. Am besten man bucht einen Guide, da man auf diese Weise mehr Tiere und interessante Pflanzen zu sehen bekommt. Auf manchen Touren (wie auf dem El Puma Trail, den ich gemacht habe) ist ein Guide obligatorisch. Obwohl ich die Wanderung in der Trockenzeit gemacht hatte, war der Mombacho überraschend grün. Die mystische Atmosphäre in diesem Nebelwald sollte man sich nicht entgehen lassen. Außerdem wird man mit beeindruckenden Ausblicken auf Granada, den Nicaragua-See und die Isletas für den Aufstieg belohnt, gutes Wetter natürlich vorausgesetzt.

Faultier, Mombacho

Faultier, Mombacho

Blick vom Mombacho auf die Isletas de Granada

Blick vom Mombacho auf die Isletas de Granada

Vulkaninsel Ometepe

Die Insel Ometepe im Nicaragua-See ist für ihre zwei Vulkane (Concepción und Maderas) bekannt. Von San Jorge (bei Rivas) sind wir mit der Fähre für einen kleinen Tagesausflug zur Insel gefahren, wo wir nach einem Besuch der Lagune Charco Verde am Strand von Santo Domingo die Sonne genossen haben. Leider hatten wir keine Zeit für den Aufstieg auf einen der Vulkane, denn dafür sollte man schon ein paar Stunden einplanen. Aber auch aus der Ferne ist insbesondere der größere der beiden mächtigen Vulkane, der Concepción, absolut beeindruckend.

Ometepe, Vulkan Concepción

Ometepe, Vulkan Concepción

Ometepe, Strand Santo Domingo

Ometepe, Strand Santo Domingo

San Juan del Sur

In San Juan del Sur waren wir leider nur eine Nacht und hatten daher nicht viel Zeit für Erkundungen des Strandortes, der an einer Bucht gelegen ist. Als wir am Abend ankamen konnten wir gerade noch den wunderschönen Sonnenuntergang über der Bucht und dem Pazifik von unserem Hotel Pelican Eyes aus beobachten, das erhöht über der Stadt liegt. Am nächsten Morgen haben wir vor der Weiterreise nach Costa Rica eine vom Hotel organisierte Segeltour gemacht. Die chillige Fahrt war ein idealer Abschluss unserer erlebnisreichen Nicaraguareise.

Hotel Pelican Eyes, San Juan del Sur

Hotel Pelican Eyes, San Juan del Sur

Bucht von San Juan del Sur

Bucht von San Juan del Sur

San Juan del Sur

San Juan del Sur

Allgemeine Informationen für Nicaragua

  • Beste Reisezeit: Ca. Ende November bis Anfang April. Aber auch im Sommer kann man nach Nicaragua reisen. Dann regnet es zwar ab und zu mal, dafür ist das Land dann grüner als im Winter.
  • Anreise: Ab Deutschland mit Condor und Iberia möglich (Zwischenlandungen beachten). Außerdem werden Linienflüge über die USA (z.B. mit Delta Airlines) angeboten.
  • Ein Visum benötigt man nur bei einem Aufenthalt von mehr als 60 Tagen. Ansonsten reicht eine Touristenkarte, die man bei Einreise erhält (am Flughafen Managua 10 USD, an der Grenze Peñas Blancas 13 USD).
  • Zeitverschiebung: Im Winter -7 Stunden, im Sommer – 8 Stunden
  • Landeswährung ist der Cordoba, aber in vielen Geschäften kann man auch in USD zahlen (auf kleine Stückelung achten). Wechselgeld bekommt man in der Landeswährung.
  • Spanischkenntnisse sind von Vorteil, Englisch wird eher selten verstanden.
  • In allen Unterkünften, in denen ich übernachtet habe (von Hostels bis Hotels) gab es kostenfreies WLAN, was mich durchaus überrascht hat.
  • Neckermann Reisen bietet ab der Wintersaison 2014/15 in der Rundreise „Höhepunkte Nicaraguas“ die Highlights des Landes im Rahmen einer 8-tägigen Rundreise an. Außerdem wird eine zweiwöchige Kombinationsrundreise mit dem Nachbarland Costa Rica angeboten („Große Costa Rica – Nicaragua Rundreise“).
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