Mehr als Mokka und Melange: Europas Traditionscafés

von Reiseblog Redaktion | mehr Artikel von | 9. Februar 2015 | Citytrips | Keine Kommentare

Eigentlich sind sie Kulturgut: Die schönsten Kaffeehäuser Europas. Und meist auch große Touristenattraktionen. Bestes Beispiel: Das Café Einstein in Berlin an der Straße Unter den Linden. Bill Clinton spielte hier Skat und Helmut Kohl genoss das Saftgulasch. Auch Bruce Willis oder Richard Gere haben schon mal vorbei geschaut – auf eine der 23 Kaffeespezialitäten oder Croissants mit Marillenmarmelade. Die Promidichte in dem – erst 1996 eröffneten – 450 Quadratmeter großen Kaffeehaus ist hoch, und der Ruf der angeschlossenen Galerie exzellent. Künstler wie Dennis Hopper oder Helmut Newton stellten dort schon aus.

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Viel Prominenz trifft sich auch im Gerbeaud: Das Kaffeehaus ist der Star der mehr als 600 Kavéhaz in Ungarns Hauptstadt Budapest. Seit der Eröffnung durch den Schweizer Konditor Emil Gerbeaud 1858 genießt man dort – wie einst schon Franz Liszt – duftende Kaffeespezialitäten und edle Schweizer Patisserie. Die Spezialität des Hauses ist so mächtig wie die nur fünf Gehminuten entfernte St. Stephans-Basilika: Die Gerbeaud-Schnitte, ein Schichtgebäck mit Marmeladenfüllung und Schokoladenhülle, treibt den Hüftspeck mit jedem Bissen.

Budapest.

Geradezu eine Institution ist auch das Café de Flore in Paris. Noch immer treffen sich dort Tag für Tag wie immer in den vergangenen 100 Jahren Kreative aller Art, diskutierten das Weltgeschehen und trinken die berühmte heiße Schokolade. Früher kamen regelmäßig Jean-Paul Sartre und Pablo Picasso, heute lassen sich Karl Lagerfeld und Frédéric Beigbeder gerne sehen. Das Café ist vor allem auch bei Touristen in: Man hat einen schönen Blick auf den geschäftigen Boulevard Saint Germain. Wichtig zu wissen: Insider frühstücken im ersten Stock.

Auch im Sant‘ Eustachio Il Caffé an der Piazza Navona in Rom genießen viele Touristen ihren Espresso – wie einst John F. Kennedy, der sich bei Besuchen in der italienischen Hauptstadt es sich nie nehmen ließ, dort einzukehren. Viel wichtiger als eine protzige Inneneinrichtung ist den Besitzern Raimondo und Roberto Ricci die Qualität des Kaffees: Die Bohnen kommen aus ausgesuchten Anbaugebieten, werden fair gehandelt – und über offenem Holzfeuer geröstet. Der Geschmack ist unnachahmlich – und der Gran Caffé Speciale mit seiner dicken Schaumkrone aus Zuckersirup eine echte Versuchung.

Berühmt auf allen Kontinenten ist ein anderes Haus in Italien: Venedigs Caffè Florian – das älteste Café des Landes. „Ich habe keine glücklicheren Stunden erlebt als die, die ich im Florian verbrachte“, schrieb Weltenbummler Mark Twain über das 1720 eröffnete Lokal in absoluter Bestlage auf dem Markusplatz. Draußen turteln Tauben und Touristen – und drinnen Politiker, Dichter und Denker. Niemand stören die hohen Preise für den Capuccino oder Cocktail Temporaneo mit Blue Curacao, Heidelbeersirup und Prosecco.

Venice.

Etwas günstiger sind die Tarife in der tschechischen Hauptstadt Prag und ihrem Café LouvreHier genießt man den vielleicht landesweit besten Palatschinken mit heißer Erdbeersauce und Schlagsahne – zu Kaffees aller Art. Das in einem Jugendstilbau untergebrachte Café überstand zwei Weltkriege, den Sozialismus und diverse Wendezeiten – und war einst auch eine von Albert Einstein oder Egon Erwin Kisch sehr geschätzte Einkehradresse.

Lang auch die Gästeliste der prominenten Kunden des Café Landtmann in Wien: Gustav Mahler, Peter Altenberg und Siegmund Freud nahmen hier eine Wiener Melange, einen Franziskaner oder Überstürzten Neumann. Obwohl die Konkurrenz – in Österreichs Metropole warten mehr als 1100 Cafés und fast 1000 Espresso-Bars – groß ist, braucht sie das 1873 eröffnete Haus nicht zu fürchten: Gleich neben dem Burgtheater an der Ringstraße gelegen, schneien Tag für Tag auch zahlreiche Touristen herein – beispielsweise auf die Spezialität, eine Tasse Landtmann-Kaffee mit Weinbrand, Likör, Schlagobers und Zimt.

Noch viel älter ist das berühmteste Kaffeehaus in Salzburg: Das Tomaselli – 1705 gegründet, und seit 1753 „Hochfürstlich Hoff befreyter Caffee Süder und Chocolatmacher“. Seit 1852 im Besitz der Familie Tomaselli, sah es viel Prominenz: Wolfgang Amadeus Mozart etwa trank dort regelmäßig seine Mandelmilch – und die Witwe des berühmten Komponisten wohnte sogar zeitweise in dem Haus am Alten Markt. In den vergangenen Jahrzehnten machten es viele Literaten zum zweiten Zuhause – wie etwa Thomas Bernhard. Damals wie heute hoch geschätzt: Der Guglhupf mit Mandeln und Rosinen.

Erst 1911 machte das bekannteste Züricher Kaffeehaus Odeon auf – ganz gehalten im prächtigen Jugendstil. Fast hätte sich der Besitzer verlupft: Nur weil er in der Lotterie gewann, konnte das Haus am Limmatquai fertig gestellt werden. Schon kurz nach der Eröffnung kam einer der berühmtesten Chirurgen des frühen 20. Jahrhunderts: Ferdinand Sauerbruch. Während seiner Zeit als Professor am örtlichen Kantonsspital sah man den Arzt aus Deutschland mittags meist auf ein halbes Stündchen in dem Traditionshaus sitzen – still vor einem Kaffeekännchen. Was nur Eingeweihte wussten: Unter dem silbernen Deckel befand sich ein ganz anderer Muntermacher – Champagner.

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