Die fünfte Jahreszeit naht: Nicht nur die Faschings-Hochburgen an Rhein und Main bringen ihre Kamelle-Kanonen in Stellung. Auch in Rio, Rijeka oder auf Riffa toben Funky Marys durch die Straßen.

Auf Teneriffa etwa knallt der Startschuss bereits am 8. Februar – in Puerto de La Cruz. Dann wird die Kinderkönigin des Karnevals gewählt, vier Tage später greift die wahre Regentin der tollen Tage ein. Die Inselhauptstadt Santa Cruz startet dagegen erst am 11. Februar voll durch – ebenso bis zum 22. Februar. Besonders viel Spaß macht der Laufwettbewerb Mascarita Ponte Tacón in Puerto de la Cruz am 20. Februar: Männer in Frauenkleidern bewältigen auf Stöckelschuhen mit zwölf Zentimeter hohen Absätzen einen Hindernisparcours – sehr zur Freude der Zuschauer.

Längst ein Touristenmagnet ist auch der Karneval von Rijeka. Zwar feiert die kroatische Adriastadt erst seit 34 Jahren Fasching – doch mittlerweile verfolgen mehr als 120 000 Zuschauern gut gelaunt das närrische Treiben der verkleideten Karnevalsgruppen bei angenehmen Temperaturen. Mehr als 10 000 Aktive in rund 150 Gruppen tanzen hinter den 80 Wagen durch die Straßen der Altstadt – am 15. Februar.

In Venedig beginnt der Karneval bereits am 31. Januar – um 18.30 Uhr mit dem berühmten Venezianischen Fest auf dem Canal Grande und Riva di Cannaregio. Der offizielle Karneval – es ist die 728. Auflage – beginnt aber erst am 7. Februar um 12.00 Uhr: Dann schwebt ein Engel zu Lifemusik und Konfettiregen vom Markusturm zum Dogenpalast herab. Der Ausnahmezustand der Lagunenstadt, sichtbar vor allem an zehntausenden von farbenprächtigen Narren-Masken, dauert zehn Tage und steht in diesem Jahr unter dem Motto „La Festa piu’ golosa del Mondo“ – „das köstlichste Fest des Jahres.“

Venice carnival masks in san Marco's square, Venice, Italy.

Weltweit nicht weniger bekannt ist der Karneval von Rio de Janeiro, der seit Mitte des 19. Jahrhundert die Menschen in Bann zieht. Heizten damals noch Polka und Walzer den Zuschauern ein, gibt seit 1917 der Samba den Takt vor: Was für die Zuschauer – mehr als eine Million sind in den Straßen der Stadt unterwegs – eine riesige Fiesta ist, gerät für die Teilnehmer zum Lohn eines harten Trainingsjahres. Ein Dutzend Sambaschulen paradieren am 15. und 16. Februar mit bis zu 30 000 Tänzern in fantasievollen Kostümen durch das eigens gebaute Sambódromo – und kämpfen um die Gunst der Juroren. Natürlich übertragen Fernsehanstalten das Spektakel landesweit – wie auch die Siegesfeier am Aschermittwoch.

Auch im Norden des amerikanischen Kontinents versteht man zu feiern: In allen Südstaaten kommt es zu Straßenumzügen mit viel Getöse – die spektakulärsten warten in New Orleans. In den zwei Wochen vor „Mardi Gras“ – der „fette Dienstag“ kommt aus dem Französischen und steht für den letzten Tag vor Beginn der österlichen Fastenzeit – finden in der Mississippi-Metropole an die 60 Umzüge statt. Zehntausende schlüpfen in Kostüme, und viele Festwagen prägen das Straßenbild – nur dass, anders als in Deutschland, von den aufwändigen Festwagen bunte Plastikketten statt Bonbons in die Menge fliegen.

Undenkbar in Köln: Jedes Jahr werden, wenn „d´r Zoch kütt“, während des Rosenmontagszug mehr als 150 Tonnen Kamelle in die Menge geworfen. Mehr als 1,3 Millionen Besucher säumen die sechs Kilometer lange Strecke, über die rund 120 Festwagen im Schritttempo rollen. Tipp: Beim „Bützen“ bitte nicht „Helau“ schreien oder am Wegesrand ein Alt ordern – beides gehört zum Düsseldorfer Karneval und ist in der Domstadt verpönt.

Cologne, Germany - Feb. 16th 2015: People celebrating shrove Monday procession in Cologne, Germany. This years theme has been "social jeck"

Der heißt in der Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen „fünfte Jahreszeit“ – und wird vom „Hoppeditz“ seit jeher am 11.11. um 11.11 Uhr zum Leben erweckt. Am Aschermittwoch haucht der Erzschelm dann sein Lebens aus, unter großem Wehklagen im Düsseldorfer Stadtmuseum – und nach einem äußerst anstrengenden Rosenmontagsumzug mit mehr als 60 Wagen, vom Fernsehen stundenlang in bunten Bildern festgehalten.

Viel Tradition hat auch die „Meenzer Fassenacht“: Bereits im 13. Jahrhundert schlüpften die Bürger von Mainz in farbenfrohe Kostüme – und machten sich über die Herrschenden lustig. Der heutige Straßenkarneval hat seinen Höhenpunkt ebenso am Rosenmontag: Mehr als 100 Wagen von 23 Karnevalsvereinen und 25 Garden sind unterwegs – und mehr als eine halbe Million Menschen entlang der sieben Kilometer langen Strecke auf den Beinen.

Wer nach Faschingsdienstag immer noch Lust auf das närrische Treiben hat, muss übrigens nicht darben. In Basel beginnen die „drey schäänste Daag“ erst am Montagmorgen nach Aschermittwoch – um 4.00 Uhr in der Früh mit dem „Morgestraich“. Alle Lichter der Stadt verlöschen – und Tausende von Narren ziehen mit Tamburinen und Piccoloflöten durch die stockdunklen Straßen, um das größte Pfeifkonzert der Welt zu veranstalten. Die meisten Kneipen und Wirtschaften schließen dann 72 Stunden nicht mehr – erst am Donnerstag ist alles vorbei, um 4.00 Uhr morgens.