Kap Verde - Zwei Monate Auszeit

von Jasmin | mehr Artikel von | 28. Dezember 2015 | Rundreisen, Strandurlaub | Keine Kommentare

Kennt Ihr das? Euch fällt einfach die Decke auf den Kopf und Ihr wisst nicht, wie Ihr das ändern sollt. Mir hat es auch nicht gereicht einfach mal in eine andere Stadt zu fahren. Ich musste mal raus! Allerdings wollte ich nicht in irgendein Land, das komplett von Touristen überrannt wird, beziehungsweise worden ist. Ich wollte irgendwo hin, wo ich ein anderes Land, dessen Menschen und auch die Kultur so authentisch wie möglich erleben konnte. Somit war mir klar, dass so die konventionellen Länder nicht infrage kommen, um dort zwei Monate meines Lebens zu verbringen. Ich habe echt lange überlegt und das Schwierigste war, ein Land zu finden, das wirklich noch nicht komplett auf Touristen ausgelegt ist. Also bin ich -voll Oldschool- ins nächste Reisebüro getappt und habe dort eine sehr ungewöhnliche Anfrage gestellt: Ich möchte irgendwo hin, wo sonst kaum einer hin möchte.
Als ich der netten Dame dann erklärte, dass ich nicht nur einen kurzen Trip geplant hatte, sondern mir eine 2-monatige Auszeit gönnen wollte, bekam ich ein paar Vorschläge.
Unter anderem empfahl sie mir Kap Verde. Nach einer Nacht grübeln hatte ich mich dann entschlossen, auf die Kap Verden zu fliegen. Also wieder ab in das Reisebüro und dort eine kleine nette Pension in der Hauptstadt der Kap Verde, Praia, gebucht.
Danach ging alles ganz schnell. Ich habe meinen Eltern und Freunden Bescheid gegeben, dass ich mal eben 2 Monate weg bin und sie doch bitte die Katze füttern sollen. Fünf Tage später saß ich im Flugzeug und flog zur Westküste Afrikas.

Flugzeug mit Kap Verde Schriftzug

Flugzeug mit Kap Verde Schriftzug – Here I go!

Im Flugzeug fand ich eine tolle Broschüre, die mir Informationen über die Kap Verde im Allgemeinen einflößte. Da merkte ich, dass die Menschen auf den Kap Verde überhaupt kein Spanisch sprechen, sondern Portugiesisch. Ein kleiner aber feiner Unterschied, wie ich bald feststellen sollte. Während ich im Flugzeug saß, wurde mir bewusst, dass ich eigentlich nichts geplant hatte. Wirklich nicht sehr typisch für uns Deutsche. Interessanterweise fand ich grade das super aufregend.

Am Flughafen angekommen empfahl mir eine nette Dame erst einmal ein Taxi zu nehmen, um zu meiner Pension zu kommen. Doch musste ich zuerst Geld wechseln. Denn auf den Kap Verden zahlt man mit Kap-Verde-Escudo. Ich habe daraufhin 100 Euro gewechselt und bekam 10700 Kap-Verde-Escudo zurück. Das hört sich zunächst nach unfassbar viel Geld an, aber ich sollte feststellen, dass die Kap Verde ein unfassbares Preisgefälle haben.
Ein Taxi fand ich problemlos, auch wenn es sicher keinen deutschen TÜV bestanden hätte. Die Fahrt zu meiner Pension, circa 20 Kilometer, dauerte etwa 40 Minuten und hat mich etwa 8 Euro gekostet. Das ist wirklich nicht viel.

Schon im Taxi habe ich gemerkt, dass Spanisch nicht gleich Portugiesisch ist. Aber mit Händen und Füßen und meinem Schulspanisch kam ich dennoch weit genug. In der Pension war das Ganze dann etwas schwieriger. Aber am Ende hatte ich dennoch meinen Schlüssel.
Zunächst war ich von meinem Zimmer etwas geschockt, denn es war schon sehr spartanisch eingerichtet aber dafür auch sehr sauber.
Ich war ziemlich erschlagen von den ganzen neuen Endrücken und habe mich erst mal schlafen gelegt, nachdem ich noch ein paar Snacks aus meinem Koffer gefuttert hatte.

Kitesurfer am Strand

Ein Kitesurfer bereitet sich vor aufs Wasser zu gehen – Ich hatte etwas respekt vor den riesen Schirm

Am nächsten Morgen knurrte mir wirklich der Magen. Die erste Ernüchterung folgte auf dem Fuße. Denn meine Pension bot gar kein Frühstück an. Ein netter Herr erklärte mir, dass man sich normalerweise was auf dem Mark kauft oder an kleinen Ständen. Wenn man jetzt auf die Semmel mit Marmelade hofft, wird man bitter enttäuscht. Es gibt sehr starken Kaffee und das Nationalgericht Cachupa. Cachupa ist ein Brei aus Mais und Bohnen, der mit Gemüse, Fleisch oder Fisch gegessen wird.

In den nächsten Tagen ist mir aufgefallen, dass es in Praia ungewöhnlich gute Busverbindungen gibt, die man so nicht erwartet hätte. Allerdings sucht man große Touristenattraktionen oder auch Touristenmeilen vergebens. Eigentlich genau das, was ich wollte. Nur passte das mit der Pension nicht. Ich hatte dann das Glück, das ich in einer kleinen Bar ein nettes deutsches Paar getroffen habe. Diese empfahlen mir ein kleines Appartement zu mieten. Zum Glück waren die auch so nett und halfen mir. Allerdings führte mich dieses Mietarangement auf die Insel Sal. Die Kap Verde bestehen aus mehreren kleinen Inseln und auf Sal haben sich viele Deutsche niedergelassen. Somit war es dort einfacher ein Appartement zu mieten.

Menschenleerer Strand

Walk the (Beach)Line – Ein Strand mit Fußabdrücken

Nach dem ich mich auf Sal akklimatisiert hatte war ich begeistert. Denn man hat unfassbar viele Möglichkeiten und die Menschen sind einfach ein Traum. Sie sind nett und offen. Dadurch war es für mich kein Problem Einheimische und Auswanderer kennenzulernen. Und das ging trotz pseudo Portugiesisch. Dieses wurde aber im Laufe der zwei Monate deutlich besser. Denn es bleibt einem nichts anderes übrig. Kaum einer spricht dort Englisch und nur die ganz jungen Menschen sprechen ein wenig Französisch. Ansonsten muss man sich auf Portugiesisch berufen oder auf das Kapverdische Kreol. Das ist aber meiner Meinung nach für Europäer unmöglich zu sprechen und zu lernen.
Um etwas mobiler zu sein, habe ich mir ein Auto gemietet. Das ist, im Vergleich zum Taxi fahren, nicht ganz günstig. Der Tag kostet so zwischen 40 € und 60 €. Somit konnte ich mir das nicht die ganze Zeit leisten, was auch gar nicht schlimm war, denn auch in Santa Maria kann man sich zu Fuß bewegen.

Als ich mit dem Wagen unterwegs war, hat mich besonders die Landschaft fasziniert. Denn die meiste Fläche der Kap Verde lässt sich als Halbwüste definieren. Man hat zwar viel Gras aber das ist eher blass und etwas verdorrt. Sonst gibt es ein paar Dattelpalmen und kleineres Gestrüpp. Die Strände hingegen sind ein Traum. Denn der Luxus der Kap Verden besteht darin, dass es immer noch viele Strände gibt, die nicht voller Touristen sind. Dadurch bietet sich die Möglichkeit einer unbekannten Privatsphäre, die ich auch oft genossen habe. Dazu habe ich mir einen Picknickkorb gepackt, ein Buch und meinen Ipod und ab ging’s. Damit in meinem Picknickkorb etwas drin war, musste ich zuvor auf dem Markt einkaufen.

schöne Landschaft der Kap Verden

Malerische Landschaften der Kap Verden, Ich habe mich verliebt

Dort fällt auf, dass die Auswahl bei Obst und Gemüse eher klein ist.
Das liegt daran, dass auf den Kap Verden wenig, bis gar nichts angebaut wird. Das Klima ist sehr trocken und es gibt wenig Niederschlag. Somit muss viel importiert werden. Aber man bekommt alles, was man braucht. Ich fand es zwar zunächst komisch, aber später extrem angenehm auf das Nötigste reduziert zu sein. Das hat mir viel Stress erspart, den ich sonst aus dem Supermarkt kenne. Um hier zu leben, sollte man Fisch mögen. Hier gibt es eine große Auswahl und die Preise sind relativ günstig. Fleisch ist hingegen sehr teuer und somit nur selten zu genießen. Mein Lieblingsessen sind kleine Fische geworden, die mit einer Salzkruste überzogen sind. Die haben den Vorteil, dass man sie überall mit hinnehmen kann und sie jedes Obst und Gemüse aufwerten.

Nachdem ich genug der Faulheit gefrönt hatte, wollte ich etwas erleben. Leider bin ich ein absoluter Neuling auf dem Gebiet des Wassersports. Das werde ich aber definitiv ändern. Denn auf den Kap Verde kann man super gut Wassersport betreiben und da ist es egal ob es um Surfen, Tauchen oder Sonstiges geht.
Man kann zwar auch Kurse auf den Kap Verde machen aber diese sind extrem teuer. Das liegt daran, dass das Angebot so begrenzt ist. Es gibt keine Konkurrenz, somit kann jeder den Preis verlangen, den er haben möchte.

Taucher im Wasser

Zwei schwimmende Taucher – Das bin aber nicht ich 🙂

Dennoch habe ich mir einen Tauchkurs gegönnt. Ich muss sagen, dass dieser jeden Cent wert war. Mein Tauchlehrer Komi hat mir tolle Stellen gezeigt und ich habe eine neue Welt entdeckt. Zu einem unserer Ausflüge hat Komi eine Unterwasserkamera mitgebracht. Ich bin ihm bis heute sehr dankbar dafür, denn an diesem Tag hatte ich das Glück mit Mantarochen schwimmen zu können. Diese sanften Riesen sind mit das Schönste was ich je gesehen habe. Sie gleiten majestätisch durch das Wasser und lassen sich von uns Menschen nicht stören. Dadurch hatte ich das Vergnügen, die Tiere in ihrem natürlichen Umfeld zu sehen.

An meinem letzten Tag auf Sal wollte ich nicht kochen und bin darum in ein Hotel gegangen. Dort gibt es die einzigen wirklichen Restaurants. Dort kann man eher portugiesische Küche genießen. Diese ist allerdings sehr gut.

Auf dem Flug nach Hause habe ich mir überlegt, dass ich unbedingt wieder kommen möchte. Aber bevor ich wieder kommen werde, werde ich richtig Tauchen lernen sowie Kitesurfen. Ich bin zwar wieder froh in Deutschland zu sein aber bin mir auch sicher, dass mich in nicht allzu ferner Zukunft, die Sehnsucht packt. Und dann geht es ab auf die Kap Verde, vielleicht diesmal nach Boa Vista.

(Bilder: © Cabo Verde, One country… Ten destinations (Caroline Granycome/Flickr, CC BY-SA 2.0)

© Boa Vista Iberostar (niall62/Flickr, CC BY-SA 2.0)

© Boa Vista Iberostar (niall62/Flickr, CC BY-SA 2.0)

© 2010-01-10 at 19-06-48 (Andrea Tosatto /Flickr, CC BY 2.0)

© IMG 16_20 ( BigMikeSndTech/Flickr, CC BY 2.0)

© Baía das Gatas (Henning Leweke/Flickr, CC BY-SA 2.0))

Jasmin
Hallo ich bin die Jasmin, ich bin 26 jahre Alt und arbeite seit dem Ende meines Studiums im Bereich Medien als Redaktionsmitarbeiterin bei Overnightprints.de. Ich Reise gerne und Viel, vorallem schaue ich mir super gerne die noch unerschlossene Seite vieler Länder an, die als Geheimtipp unter Alternativtouristen gehandhabt werden.
Jasmin

Neueste Beiträge von Jasmin (Mehr anzeigen)

Jasmin
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (6 Bewertungen, durchschnittlich mit 4,00 von 5 Sternen bewertet)
Loading...

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.